Berlin-Seit Dezember war in Museen und Galerien das Licht aus. Nun darf es wieder angeknipst werden. Allerdings klingen die Auskünfte aus dem Berliner Ausstellungswesen noch recht verhalten. Die Enttäuschungen der letzten Monate und die wachsende Ungeduld paaren sich mit Vorsicht. Zu verwirrend und unkonkret wirken die Verlautbarungen aus der Ministerpräsidentenrunde im Kanzleramt. Am Donnerstag tagte bis zum Abend der Senat und legte die Prioritäten fest. Der Ausstellungsbereich, ob staatlich, kommunal oder privat, rangiert auf Platz drei der Wiederöffnungs-Strategie. Am Freitag gibt dann die Senatskulturverwaltung eine Videokonferenz mit Berlins Museumschefs, den Institutionen und Galerieverbänden. Erst danach kann Klarheit herrschen. Etwa darüber, ob zu den Zeitfenstervergaben auch Negativ-Tests vorgelegt werden müssen.

Dennoch haben wir uns schon einmal umgehört: Die Mitarbeiter der Staatlichen Museen zu Berlin freuen sich, die Wiedereröffnung ihrer Häuser vorbereiten zu können. „Allerdings“, so Pressemann Markus Farr, „ist für uns die Corona-Schutz-Verordnung des Landes Berlin bindend. Danach wird alles ausgerichtet.“  Die Öffnung ist bei den vielen Dauerausstellungen ohne große Hürden möglich. Ganz ähnlich verhält es sich in Häusern wie dem Deutschen Historischen Museum. Im Gropius-Bau wird hinter geschlossenen Türen gerade die lang erwartete Retrospektive der japanischen Avantgarde-Malerin und Happening-Pionierin Yayoi Kusama aufgebaut. Eigentlich sollte die Schau schon zum Highlight des Jahres 2020 werden. Noch mag die Museumsleitung keinen Öffnungstermin nennen.

Foto:  Peter Zimmermann/jjesarchiv
Im größten Neubaugebiet Ostberlins, aufgenommen von Peter Zimmermann am 11.11. 1987, in Kürze zu sehen in der  Ausstellung „Anything Goes“ der Berlinischen Galerie

Auch Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie, bewahrt Ruhe: „Ein geschlossenes Museum wieder hochzufahren, das geht nicht aus dem Stand“, erklärt er. Die online-Buchungen müssen bearbeitet, die Führungen organisiert werden. Ein Großteil der Mitarbeiter (Aufsicht, Kassenleute, Garderobieren usw.) werden aus der Kurzarbeit zurückgeholt. „Wir können uns vorstellen, ab dem 16. März wieder mit dem vollen Programm starten zu können“, betont Köhler. Dann wartet etwas ganz Besonderes auf vorerst nur für einen Slot angemeldete Besucher: Die Architekturschau „Anything Goes“, über die postmoderne Architektur in Berlin West wie Ost der 1980er-Jahre ist längst fertig aufgebaut und will endlich gesehen werden.

„Achterbahnfahrt“, so beschreibt man im Team des Instituts Kunst Werke Auguststraße die Monate der Corona-Sperren. Pressefrau Natanja von Stosch sagt: „Wir freuen uns,  die Türen zu öffnen, können  aber nichts überstürzen und geben die neuen Laufzeiten bald bekannt.“ Die Ausstellungen der Berliner Figurenmalerin Amelie von Wulffen und des früh verstorbenen brasilianischen Zeichner-Poeten Leonilson konnten, sagt sie, glücklicherweise verlängert werden.

Ziemlich optimistisch ist auch Werner Tammen, der Vorsitzende des Landesverbandes Berliner Galerien. Er teilt mit: „ Die Kunst kehrt zurück!“ Die Galerien der Stadt seien im Prinzip ab Montag, den 8. März – bei einem stabilen 7-Tage-Inzidenzwert unter 100 und ausschließlich mit vorheriger Terminvereinbarung und bei Einhaltung der Hygieneregeln – „wieder besuchbar.“ Allerdings dürfte sich noch recht einsam fühlen, wer das Angebot annimmt. Denn nur je eine Kundin oder eine Kunde darf sich auf 40 Quadratmeter Verkaufsfläche aufhalten. Nun, so allein mit der Kunst ist es immer noch besser als ganz ohne Kunst.