Gleich mehrfach wurde auf diesem 18. Gallery Weekend ein Satz des 90-jährigen Malers Gerhard Richter zitiert: Kunst helfe, immer das Beste zu hoffen. In diesem Sinne begann und endete der riesige Berlin-Parcours in zuversichtlichster Laune – und dies parallel zu den lauten und eher krawalligen 1.-Mai-Demonstrationen.

Das Gallery Weekend (28. April bis 1. Mai) erwies sich nach dem zweijährigen Entzug durch Lockdowns und Einschränkungen als ein wahres Maifest: prallvoll mit Kunst, Podien, Gesprächen. Und endlich auch wieder Partys. 52 kommerzielle Galerien, der harte Kern von rund 400 Profi-Kunstorten in Mitte, Kreuzberg, Schöneberg und Charlottenburg, zeigten ihr Best of von über 80 internationalen Künstlerinnen und Künstlern.

Viele Ausstellungen auch nach Berlin Gallery Weekend zu sehen

Viele Ausstellungen waren eigens für diese Tage aufgebaut, die meisten aber sind mindestens noch vier Wochen lang zu sehen. Zudem schlossen sich gefühlte 400 Museen, Kunstvereine, die Messe Paper Positions, die Kunstbuchmesse im HKW, kommunale Galerien, Off-Spaces und geöffnete Ateliers an.

Gallery Weekend
Stille Kunstperformance vor dem Ansturm des Publikums: die Ukrainerin Maria Kulikovska vor der Neuen Nationalgalerie. Deren Direktor Klaus Biesenbach macht gerade ein Erinnerungsfoto.

Maike Cruse, langjährige Direktorin des Gallery Weekends, kann rund 30.000 Besucher und mit den Verkäufen teils hochzufriedene Kunsthändler vermelden. Unter den Gästen waren 1500 Sammlerinnen und Sammler, Museumsleute, Kuratoren und Kunstvermittler aus aller Welt. Zehn Galerien stellten sich in neuen Ausstellungsräumen, insbesondere in einstigen Industriehallen vor.

Solidaritätsaktionen mit der Ukraine beim Gallery Weekend

Viele Performances und Aktionen waren der aktiven Solidarität mit der Ukraine gewidmet. So verzichtete beispielsweise die Galerie Isabella Bortolozzi am Schöneberger Ufer auf jedweden Gewinn. Die Künstlerinnen und Künstler der Galerie hatten statt Bilder oder Skulpturen wunderschöne Blumengebinde arrangiert. Die wurden Blüte für Blüte verkauft, oder auch in Gänze – als Spende für die Ukraine-Hilfe.

Auf den Stufen vor der Neuen Nationalgalerie lag im Stundentakt die von der Krim stammende, aus ihrem Fluchtort Kiew geflohene Performerin Maria Kulikovska unter der blau-gelben Flagge ihres von Putins Aggressoren geschundenen Landes. Ein starkes Zeichen des trotzigen Widerstands, das kein Passant übersehen konnte. Im Beisein der jungen Ukrainerin wurde unmittelbar vor der zentralen Party die versammelte Kunstszene Sonnabendnacht auf der Terrasse des Mies-van-der-Rohe-Baus vom Verein Be An Angel und dem Nationalgalerie-Direktor Klaus Biesenbach zum Spenden  aufgerufen. Schon in  vielen Benefiz-Aktionen  in den Tagen davor hatten die Initiatoren vom Verein mithilfe der Museen und vieler Aktivisten Spendengeld von 190.000 Euro gesammelt.

Gallery Weekend
So ein Gewimmel war zu sehen: Die internationale Kunst-Community traf sich in der Nacht zum 1. Mai auf der Terrasse der Neuen Nationalgalerie

Nun ist die bildgesättigte Kunst-Karawane also weitergezogen. Sie war – von der Kunstbiennale Venedig aus – für vier Tage nach Berlin gekommen und kehrt in Teilen sicherlich zur 12. Berlin Biennale ab 11. Juni zurück, um sich dann direkt auf den Weg zur documenta 15 nach Kassel (ab 18. Juni) zu machen. Welch ein Kunstjahr 2022!