Thomas Plaßmann: „Über allem stand wie eine dunkle Wolke der Krieg in der Ukraine“

Unser Karikaturist Thomas Plaßmann hat seinen Jahresband für 2022 vorlegt. Ein fürchterliches Jahr, sagt er. Aber es gab auch Lichtblicke.

Karikaturist Thomas Plaßmann
Karikaturist Thomas PlaßmannPrivat

Karikaturisten können in wenigen Strichen ausdrücken, wofür wir Schreiberinnen und Schreiber einen ganzen Leitartikel brauchen. Ihre Zeichnungen wirken unmittelbar, auch – oder vielleicht gerade – wenn es um deprimierende Ereignisse geht. Blättert man den Jahresband unseres Karikaturisten Thomas Plaßmann durch, weiß man schnell: Das war irgendwie nichts mit diesem Jahr 2022. Plaßmann bestätigt das: „Es war fürchterlich“, lautet sein Urteil über die vergangenen zwölf Monate. „Über allem stand wie eine dunkle Wolke der Krieg in der Ukraine.“ Fürchterlich sei das auch in künstlerischer Hinsicht, meint er. „Ich leide wirklich und kann da auch kaum abschalten.“ Das äußere sich auch in den Zeichnungen. „Ich überlege mir zunehmend Karikaturen, die ohne Witz funktionieren“, sagt er.

Viele davon haben auch in den Jahresband Eingang gefunden. Da ist zum Beispiel der Schläfer, der in pastellfarbener Wölkchen-Bettwäsche einschläft – und unter einer Bettdecke in grün-braunen Tarnfarben wieder erwacht. Plastischer kann man den Satz von Außenministerin Annalena Baerbock nicht illustrieren, die am 24. Februar erklärt hatte, man sei heute in einer anderen Welt aufgewacht.

Zeitenwende
ZeitenwendeKarikaturist Thomas

Man sagt ja, dass schlechte Zeiten gut für Karikaturisten seien. Den Satz will Thomas Plaßmann gar nicht in Abrede stellen. „Wenn alles wunderbar wäre, könnten wir unseren Beruf aufgeben.“ Kritik an den Verhältnissen ist schließlich die Lebensgrundlage der politischen Zeichner. Aber wenn die Hiobsbotschaften nicht ausgehen, wird es eben schwierig, das adäquat umzusetzen. „Ich hätte mich dieses Jahr lieber über andere Dinge lustig gemacht“, sagt Plaßmann und spricht damit vermutlich für alle seine Berufskollegen.

Wer hätte denn vor einem Jahr gedacht, dass die Corona-Pandemie nur noch ein Problem unter vielen sein würde? Plaßmann hatte in seinem Jahresband über 2021 genau das als Wunsch formuliert – und nicht geahnt, wie schnell er recht bekommen sollte.

Dabei hat ihn die Pandemie in diesem Jahr ein Riesen-Opfer abverlangt. Das Virus hat ihm die Hochzeit seines Sohnes vermiest. „Zwei Tage vor der Feier war mein Test positiv“, erzählt Plaßmann. Die Familie musste ohne ihn feiern. Auch sonst war es persönlich in diesem Jahr anstrengend. „Wir haben einen Umbau vorgenommen, und auch das ist in diesen Zeiten ja eher schwierig“, sagt er und lacht. Zumindest das ist überstanden. Und dann gab es im Privatleben auch noch einen echten Sonnenstrahl: Sein drittes Enkelkind wurde geboren.

Zeit für klare Worte
Zeit für klare WorteKarikaturist Thomas

Für das neue Jahr ist er vorsichtig optimistisch. Hoffnung sei ja immer da, auch wenn es beim Ukraine-Krieg dafür nicht unbedingt einen konkreten Anlass gebe. „Aber so ein Krieg kann ja auch nicht ewig dauern“, sagt der Künstler. Jeder Jahreswechsel bringe naturgemäß ein Stück Optimismus mit sich. Aber diesmal lautet der etwas zurückgenommen: „Es wird hoffentlich nicht so grässlich wie 2022.“ Ob sich das machen ließ, wird dann der nächste Jahresband zeigen.

Thomas Plaßmann: Unterm Strich. Die Karikaturen des Jahres. Klartext-Verlag 2022, 18,95 Euro