Berlin - Es ist keine Qigong-Balanceübung. Hier trifft sich auch keine Frauen-Rhythmusgruppe. Es ist die choreografierte Weltfrauentags-Demo im Winterlook. Die Gestenabfolge in Handschuhen und Maske geht so: Hand aufs Herz, Hände nach vorn strecken, Arme ausbreiten, Augen zuhalten, Arme wieder ausbreiten. Das soll heißen: Ich, Du, Wir sind unsichtbar – werden sichtbar sein!

So begeht diese weibliche Kunst-Hundertschaft den Internationalen Frauentag am kommenden Montag, der in Berlin ein staatlicher Feiertag ist. Heute wird schon mal vorab geprobt – in der Vorfrühlingssonne, aber bei kaltem Wind. Die schiefe Ebene zum Berliner Kulturforum wird von den Frauen transformiert zu einer symbolischen Schieflage im Kunstbetrieb. Sie stehen mit dem Rücken zur Gemäldegalerie, in deren historischer Kunstsammlung gerade mal zwei Malerinnen des 18. Jahrhunderts vertreten sind: Angelika Kauffmann und Anna Dorothea Therbusch. Hinterm Bauzaun verspricht der gläserne Mies-van-der-Rohe-Bau die baldige Wiedereröffnung mit Kunst der Moderne. Doch auch deren Protagonisten sind zu zwei Dritteln Männer.

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