Berlins Stadtväter und -mütter haben sich Zeit gelassen mit dieser guten Nachricht. Es gab ein jahrelanges Für und Wider im Abgeordnetenhaus. Meist ging es ums Monetäre, um die Eintrittsgelder, die den Museen entgehen, wenn man freie Sonntage gewährt. So wie es andere Museen in europäischen Städten, London etwa, schon länger tun, zumindest für  Dauerausstellungen.

Ein Jahr lang leistete das Württembergische Landesmuseum Stuttgart Pionierarbeit mit dem Testlauf. Nun folgt Berlin: Ab Sommer ist der Eintritt in den Museen der Stadt an jedem ersten Sonntag im Monat frei. Gratis sind der 4. Juli, 1. August, 5. September. 3. Oktober, 7. November und 5. Dezember. Der vielzitierte Bildungs- und Ästhetik-Auftrag der Museen wird konsequenter eingelöst für alle. Immerhin ist das ein Angebot für eine Menge Leute in Berlin, für die Museen nicht mehr elitär sein sollen, weil sie nicht einfach mal so locker das Eintrittsgeld über den Kassentresen reichen können. Statistisch sind das 18 Prozent der Berliner Bevölkerung.

„Die Berliner Museen sind für alle da“, heißt es in der eben bekannt gegebenen Initiative des Landes Berlin, eine Kooperation mit den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Landesverband der Museen. Land und Bund werden die Eintrittsgeld-Ausfälle kompensieren. Dafür wolle man mehr Menschen für das vielfältige kulturelle Angebot der Stadt begeistern, Familien und Freundeskreise zu Entdeckungstouren in  rund 60 von den insgesamt 170 Museen Berlins einladen.

Die Museumspädagogen der landeseigenen Kulturprojekte GmbH betonen, dass es aber nicht reicht, die Häuser an den eintrittsfreien Sonntagen nur aufzuschließen. Wichtig sind Vermittlungsprogramme etwa für Menschen, die auch wegen der Sprachbarriere sonst nie ins Museum gehen. Für Kinder und Jugendliche war der Eintritt schon immer gratis. Für viele allerdings erschöpfte sich das Museumserlebnis durch seltene, von Schule und Kindergarten organisierte Besuche. Aber nun können auch einmal im Monat die Erwachsenen gratis mitkommen – ein Gemeinschaftserlebnis. Als etwas, das bleibt, woraus Neugier und Lust wachsen auf das, was die Kulturen aus der Vergangenheit bewahren. Damit wir wissen, woher wir kommen. Wer wir sind. Und wohin wir wollen.