Der Rebell und Prophet des „erweiterten Kunstbegriffs“, mit Filzhut, Anglerweste und Krummstab, wäre am 12. Mai 100 Jahre alt geworden. Joseph Beuys (1921–1986), geboren in Krefeld, aufgewachsen in Kleve, Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg, Kunstprofessor in Düsseldorf, Friedens- und Ökologie-Aktivist – und zugleich passionierter Bentley-Fahrer (!) – stellte medienwirksam letzte Fragen der Menschheit.

Zweifellos war er einer der wichtigsten deutschen Künstler seit den Sechzigern, pendelnd zwischen Charisma und Widersprüchlichkeit. Bis heute ist sein Denken und Tun tief verwurzelt in der zeitgenössischen Kunst. So legendär bis unverstanden bleibt sein Einsatz von Filz, Fett, Rotkreuz-Symbolik, Honigpumpen, Schiefertafeln, Basaltbrocken, Straßenbahnschienen, Schlittenrudeln, Hirschdenkmälern, sein Wunden-Zeigen, fremden Menschen die Füße Waschen und die Gründung einer Partei der Tiere. Eigentlich hätte bei so viel Sendungsbewusstsein niemand geglaubt, dass er derart früh sterben würde. Herzversagen. Verbrannt von der rastlosen Leidenschaft für die „Soziale Plastik“, für die Rettung der Welt und für die folgenreiche Behauptung, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Im Umkehrschluss: Jeder Künstler ist auch ein Mensch!

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