So tiefschwarz das Wasser auch erscheinen mag, spiegelt sich in ihm an einem sonnigen Tag doch die Umgebung. Und wenn man sich dem Becken von Südwesten her annähert, kann man in ihm den Reichstag sehen.

Das Denkmal, das an die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma erinnern soll, ist eines von Dani Karavans bekanntesten Werken, aber zugleich auch eines seiner schwierigsten, zumindest, was die Entstehungsgeschichte betrifft. Bereits 1992 vom Deutschen Bundestag beschlossen, dauerte es 20 Jahre, ehe es 2012 im Berliner Tiergarten feierlich eröffnet werden konnte. Die Hindernisse waren nicht nur baulicher, sondern auch politischer Natur. In der Berliner CDU etwa hatte man sich mit dem Argument gegen das Denkmal zur Wehr gesetzt, das Stadtzentrum solle nicht zu einer Gedächtnismeile werden.

dpa/Michael Kappeler
Die Gedenkstätte für die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma. Das Denkmal liegt im Tiergarten direkt neben dem Bundestag und wurde nach einem Entwurf des Künstlers Dani Karavan gestaltet.

Der 1930 in Tel Aviv geborene israelische Bühnenbildner und Künstler Dani Karavan wiederum haderte lange mit der Farbe des Wassers, ehe das beinahe randlose Becken die für ihn passende Gestalt annehmen konnte. Die Liebe zum Detail wurde zum Gestaltungsprinzip seiner oft zart-filigran erscheinenden Arbeiten. Die Gedenkstätte im Tiergarten erinnert an den Porajmos, den nationalsozialistischen Völkermord an den als „Zigeuner“ verfolgten europäischen Sinti und Roma mit bis zu 500.000 Opfern. Es ist ein Ort nachdenklicher Stille, der jedoch nie wirklich zur Ruhe kam. 2020 war sogar eine Verlegung des Denkmals wegen eines geplanten S-Bahn-Tunnels in Erwägung gezogen worden, gegen die sich der fast 90-jährige Karavan vehement zur Wehr setzte.

Bühnenbildner für die Martha Graham Dance Company

Der junge Dani Karavan war zunächst als Bühnenbildner für die Martha Graham Dance Company in Erscheinung getreten, Einladungen nach Deutschland hatte er lange aus politischen Gründen ausgeschlagen. Sein Auftreten im Rahmen der Kasseler Ausstellung „Documenta 6“ im Jahre 1977 aber machte ihn auch in Europa als Environment-Künstler bekannt, zu dessen wichtigsten Arbeiten die Außenskulptur „Die Straße der Menschenrechte“ am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und die Gedenkstätte im katalanischen Grenzort Portbou gehören, jenem Ort, an dem sich der Philosoph Walter Benjamin auf der Flucht vor der Gestapo das Leben nahm.

Trotz der dezenten Strenge vieler seiner Skulpturen und Landschaftsräume legte Dani Karavan Wert auf den spielerischen Charakter seines architektonisch-bildnerischen Schaffens. Er wollte Orte gestalten, an denen auch Kinder spielen wollen. Er betrachte jedes einzelne seiner Kunstwerke, sagte Karavan einmal in einem Interview, wie ein Boot, „das man ins Wasser lässt, oder wie ein Stück Brot, das man ins Meer wirft und man sagt, eines Tages wird man es wiederfinden“. Am Sonnabend ist Dani Karavan in Tel Aviv im Alter von 90 Jahren gestorben.