Jetzt, nachdem sie verschwunden ist, kann ich sie sogar anfassen! Und sehen, dass am Metall robuste Ösen angebracht waren, gedacht für Werbung, die freilich kaum stattfand in der DDR. Was wäre da draußen auch an Begehrtem zu bewerben gewesen, das es drinnen in dem von den Architekten Josef Kaiser und Günter Kunert erbauten, 1970 eröffneten HO-Kaufhaus nur selten zu kaufen gab. Schicke Mode? Französische Kosmetik? Oder tolle Haushaltsgüter, Heimelektronik? Aber auch träumen war ja ganz schön. Im Gegensatz zur heutigen Erkenntnis, dass man das alles, was einem die Konsumtempel suggerieren, ja eigentlich nicht braucht.

Derart nahe jedenfalls war ich zur DDR-Zeit der wabenartigen Alu-Fassade des von mir trotz aller Angebotsdefizite oft genutzten Centrum-Warenhauses auf dem Alexanderplatz nie gekommen. Jetzt zieren die Teile die Galeriewand des Kunstvereins OST für die Ausstellung „DA SEID IHR JA!“. Die erzählt von dem, was blieb und was in der Nachwendezeit weg musste. Wie 2004 die Wabenornamente. Aus dem Warenhaus wurde ja die Galeria Kaufhof, vom Architekten Josef P. Kleihues völlig umgebaut und mit nobler Natursteinfassade versehen. Die Kunst am Bau der 1970er-Jahre – solche Alu-Verzierungen hatten auch die Centrum-Warenhäuser in Leipzig, Dresden, Magdeburg und Suhl – galt als überholt, unansehnlich, zudem sozialistisch. Obwohl sie doch unübersehbar am Stil des erfolgreichen West-Baumeisters Egon Eiermann angelehnt war.

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