Berlin - Zwei Männer im Anzug balancieren auf einem Hochseil aufeinander zu. Der Abgrund ist tief. Sehr tief, wie die weiten Berggipfel, über die sich das Seil spannt, suggerieren. Zwischen Begegnung und Absturz liegen nur Zentimeter. Der Film „Fil de sëida“, am seidenen Faden, der Italienerin Marzia Migliora ist so poetisch wie metaphorisch und doch real, denn sie lässt die zwei Seiltänzer über das italienisch-österreichische Grenzjoch balancieren.

Gegenüber leuchtet Yael Bartanas Neon-Installation „crisis crysis crycis“. Den überstrapazierten Begriff zerlegt die gebürtige Israelin in Krise als Schrei, als Aufbrechen erstarrter Systeme und auch der Geschlechter. Dass wir alle, so divers wir auch sein mögen, im selben Boot sitzen, führt uns der Belgier Kris Martin in seinem „Narrenschiff“ buchstäblich vor Augen. Sein Schiff ist aus Spiegelglas und ein Blick hinein macht uns zum Narren. Ist es Arche oder Wrack? Die Kelle, die daran hängt, ist jedenfalls denkbar klein, um ein leckendes Boot am Sinken zu hindern. Es ist ein Sinnbild des heutigen Europa – dieser großen Idee, die so viel Hoffnung gibt, die Schicksalsgemeinschaft ist und oft unberechenbar.

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