Berlin - Zuerst sieht man den legendären Freischwinger-Stuhl, mit dem der niederländische Architekt Mart Stam 1926 die Möbelkultur revolutionierte. Nur auf zwei statt mindestens drei Stützen konnte man nun sitzen, nicht fest verankert, sondern frei und leicht wippend. Seither ist das Stück ein Renner der Designgeschichte, auch in der DDR wurde eine Art Raubkopie hergestellt, gebräuchlich in Mensen und Schulen. Inzwischen sind diese Möbel, so Cornelia Hentschel, stark nachgefragt und teurer als Antiquitäten – als Beleg dafür, dass die DDR auch ihre Moderne hatte.

Hentschel hat im Berliner Museum der Dinge – Werkbundarchiv in Kreuzberg eine kleine sehenswerte Ausstellung über Mart Stam, dessen Gründung des Instituts für Industrielle Gestaltung IIG und das Design in der frühen DDR kuratiert. Der Optimismus der ersten Monate der DDR wird in Erinnerung gerufen, aber auch die tiefe Depression, die der 1950 von der SED begonnene „Formalismusstreit” auslöste. Es ist diesbezüglich keine nette Ausstellung.

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