Wohin mit dem nicht nur ungeliebten, sondern auch toxischen Erbe?  Ins Gruselkabinett? Nach vielem Hin und Her,  nach langem Verhandeln, bei dem die bronzenen Pferde von Hitlers Lieblingsbildhauer Josef Thorak dem Bund aufgrund eines gerichtlichen Vergleichs zugesprochen wurden, sowie gründlichem Überlegen kommt die Kulturpolitik zu dem Entschluss: Die sogenannten „Thorak-Pferde “des NS-Bildhauers Josef Thorak (1889–1952) kommen ins Museum auf der Zitadelle Spandau, wo sie mit differenzierter Einordnung und kritischer Rezeption der Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ eingegliedert werden. Die Ausstellung zeigt seit 2016 politische Denkmäler, die einst das Berliner Stadtbild prägten, aber später daraus verschwunden sind.

Die beiden überlebensgroßen „Schreitenden Pferde“ hatte der im Nationalsozialismus zu den Bevorzugten gezählte Künstler für die Gartenseite der Neuen Reichskanzlei Adolf Hitlers geformt, als pathetisch idealisierte, glatt ziselierte rassige Rösser. Zur DDR-Zeit tauchten sie auf einem Gelände der Roten Armee im östlichen Brandenburg auf – und waren plötzlich verschwunden. Als die Bronzen im Kunsthandel für mehrere Millionen Euro angeboten wurden, wurden die Behörden aufmerksam. Nach Verhandlungen kehrte die umstrittene Propagandakunst zurück nach Berlin – als Besitz der Bundesrepublik. Aber was damit anfangen?

Da die Bronzen für den Raum der bereits bestehenden Ausstellung zu nationalsozialistischen Denkmälern schlichtweg zu groß sind, wird ein neuer Ausstellungsraum in der Bastion Königin vorbereitet. Dies eröffnet zudem die Möglichkeit, dort auch weitere Werke zu zeigen. Bis zur Fertigstellung einer angemessenen Ausstellungskonzeption, womit nicht vor Ablauf eines Jahres gerechnet werden kann, werden die Pferde nicht öffentlich zugänglich sein. Erst mit der entsprechenden Kontextualisierung, die den inhaltlichen Zusammenhang zum in „Enthüllt“ bereits realisierten Umgang mit problematischen Denkmälern herstellt, soll sich das Tor für den normalen Museumsbesuch öffnen.