Am Anfang war das Experiment: Dieter Jung fand 1977 im New Yorker Central Park Vogelfedern. Er machte holografische Aufnahmen. Und dann schwebten die filigranen Naturgebilde schattenwerfend im Raum. Das war Jungs erstes Hologramm. Unter Holografie versteht die Wissenschaft eine Methode zur Aufzeichnung und Rekonstruktion eines Wellenfeldes. Der in Berlin lebende Dieter Jung, 2007 emeritierter Professor am ZKM Karlsruhe, schafft aus Wellenfeldern Kunst. Er ist der deutsche Pionier und einer der weltweit wichtigen Protagonisten der Lichtkunst und Holografie. Selber bezeichnet er sich als Grenzgänger zwischen den Naturwissenschaften und Technologien. Vor Jahren erklärte er sich interessierten Laien so: „Ich male nicht mit Pigmenten, ich male mit Photonen.“

Am 9. Oktober feiert Jung seinen 80. Geburtstag. Er studierte an der Berliner Hochschule der Künste (heute UdK), war Meisterschüler des abstrakten Malers Hann Trier. Und er setzte sich schon in den Sechzigern mit der bildnerischen Wirkungsweise von Farbe und Licht, Fläche und Raum auseinander. Um den flüchtigen Moment optischer Phänomene sichtbar zu machen, benutzte er zuerst noch analoge, immer öfter dann digitale Techniken. Einfluss darauf hatte ab 1975 ein weiteres Studium in den USA bei Dan Schweitzer und Sam Moree an der New York School of Holography. Die Holografie, 1948 eher zufällig entdeckt von dem Physiker Dennis Gabor, hat Jung fortan maßgeblich als Kunstform weiterentwickelt.

Jung lässt Regenbogenfarben frei im Raum schweben

Anfang der 1970er-Jahre malt er die an Interferenzstrukturen erinnernden Kopfbilder von Berühmtheiten, wo die Gesichter von Sigmund Freud, Ezra Pound oder Friedrich Nietzsche in sich horizontal und vertikal durchdringenden Schwingungslinien eingebettet sind. Für Jung waren das zunächst vor allem Bezüge zu den Geflechten der Webkunst – dem Prinzip von Kette und Schuss – in den Bildteppichen der Renaissance.

Jung nennt die Holografie „die Fortsetzung seiner künstlerischen Arbeit als Maler, Zeichner und Installationskünstler“. Alle drei Genres stehen bei ihm bis heute ständig im Dialog mit holografischen Lichtobjekten. Sein weltberühmter Kollege und Künstlerfreund, der Lichtmagier Otto Piene, nannte Jung sogar „einen Zauberer“. Denn dieser hatte nach 1980 mittels der von Stephen A. Benton entdeckten holografischen One-Step-Technik abstrakte Farbräume erstellt, in denen die reinen Regenbogenfarben frei im Raum schweben. Große Museen weltweit sammeln inzwischen Dieter Jungs Arbeiten, von denen der Kunst- und Technologiehistoriker Frank Popper meinte, diese Kunst sei „zum Greifen nah, aber doch nicht zu fassen“.