In der Geschichte der deutschen Moderne spielt ein Amerikaner eine markante Rolle: der Erfinder des „Prismaismus“ Lyonel Feininger (1871-1959). Der Maler, Grafiker und Satiriker war ein einflussreicher Meister am Bauhaus, erst in Weimar, dann in Dessau. Als die Nazis das Bauhaus verboten und er als „entarteter Künstler“ verfemt war, lebte er in Berlin. Dann aber musste er der Stadt und seiner deutschen Erfolgsgeschichte den Rücken kehren.

Der 17. Juli ist Feiningers 150. Geburtstag. Mit Sechzehn kam er nach Deutschland – und blieb. Zuerst studierte er an der Hamburger Kunstgewerbeschule, später an der Pariser Académie Colarossi. Danach lebte er in Berlin; die vitale Zeitungswelt der Hauptstadt vor dem Ersten Weltkrieg schätzte seine Karikaturen. So konnte er in den Gazetten seine ironische Weltsicht, damit sein Satire-Kälbchen kräftig austreiben. Dennoch zog es ihn mehr und mehr zur Malerei. Die Begegnung mit den französischen Fauves und den deutschen Expressionisten, vor allem Paul Klee, hatten seinen prismatischen, splittrigen Malstil inspiriert und ermutigt: diese typische Aufspaltung des Bildraumes in geometrische, einander überlagernde Farbflächen und Linien und das Monumentale der Motive. Bald ging er zu den rebellischen, das Wilhelminische verachtenden Berliner Sezessionisten und stellte in der „Sturm“-Galerie aus. Er trat sogar der Novembergruppe bei, obwohl er noch während der Zeit des Ersten Weltkriegs leicht deutsch-national gesinnt war. Wohl eine damalige Überangepasstheit des Amerikaners, der auf seine deutschen Wurzeln setzte und zugleich dankbar war, vom Kriegsdienst ab 1914 befreit zu sein.

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