Auf der IX. Kunstausstellung in Dresden (1982/83), die circa eine Million DDR-Bürger gesehen haben sollen, bildeten sich Trauben junger Leute vor einem ungewöhnlich spitzpinselig gemalten Bild eines damals 33-Jährigen, das tatsächlich die Jury unter Vorsitz der Altmeister Bernhard Heisig und Gerhard Kettner passiert hatte. Der Name des Malers: Reinhart Hevicke. Bis dahin war er nur Eingeweihten bekannt.

Das Bild, kühl-realistisch angelegt, zeigte zwei Gruppen von Brillenträgern, links die Trübsalblasenden mit den Dunkelgläsern, rechts die auf Pink gedrehten Systemoptimisten. Titel des Monumentalformats: „Die Rosa- und die Schwarz-Bebrillten“, gemalt 1980. Als das Magazin Stern das Bild reproduzierte, war das ein Schock für die Kniefälligen des DDR-Staatskunstwesens, mit denen Hevicke danach nie mehr so richtig warm wurde.

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