Berlin - Es wäre mühelos möglich, sich Paul Cassirer über dessen außergewöhnlichen Charakter anzunähern, so lebhaft sind die zeitgenössischen Schilderungen seiner Impulsivität und Leidenschaft. Die Schauspielerin Tilla Durieux zeigte sich noch ein halbes Jahrhundert später tief bewegt. „Die größte Freundschaft und Liebe“, schrieb sie in ihrer Lebensgeschichte „Meine ersten 70 Jahre“ über ihren Ehemann, „habe ich nur für Paul Cassirer gehabt, 20 Jahre lang. Das war für mich einer, der mich in eine andere Welt geführt hat, in die Welt, die ich mir erträumt habe, nämlich in die Welt der Kunst, der wirklichen Kunst.“

Der Abschied aus dieser Welt jedoch war jäh und tragisch. Der Scheidungstermin war anberaumt und alles war zur Unterschrift bereit, als Paul Cassirer aufsprang und aus dem Zimmer stürmte. Der Tod kam in operettenhafter Unerbittlichkeit daher. „Gleich darauf fiel ein Schuss“, erinnerte sich Tilla Durieux. „Ich stürzte ins Nebenzimmer und fand Paul am Boden liegend und mir entgegenrufend: ‚Nun bleibst du aber bei mir!‘“

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.