Peer Boehm ist erst Jahrgang 1968, doch er konfrontiert uns schon mit seiner Langzeiterinnerung. Ein Vorgang, den man doch für gewöhnlich eher den viel Älteren zuschreibt. Seine Erinnerung gilt der Zeit des Kalten Krieges, der Mauerstadt Berlin, dem geteilten Deutschland – und der eigenen Jugendzeit. Denkwürdig, dass der Kölner Künstler all die Bilder, mit Farbe und Kugelschreiber, ausgerechnet seit dem ersten Corona-Lockdown gemacht hat. Als wären all die kontrastierenden „Grenzerfahrungen“ während der unfreiwilligen Isolation in der Pandemie-Situation mit Macht wieder aufgetaucht.

Was Boehm in der Berliner Galerie Poll nun endlich zeigen kann, ist als Reisen durch vertraute und fremde Lebensräume zu deuten. Der Maler und Zeichner hat dieses Erinnern und Träumen keinesfalls nur aus eigenem Erleben auf Papier gesetzt, das er dann oft auf Holztafeln aufzieht. Er fand die Vorlagen in alten Fotos, oft vom Flohmarkt. Auch im Internet. Oft überlagern sich die Szenen wie Mehrfachbelichtungen, werden zu optischen Täuschungen: Eine dunkelblaue Farbschicht lässt schemenhaft vor der Passkontrolle wartende Autos erkennen, zweifellos ist das der Berliner Checkpoint Charlie, Grenzpunkt im Kalten Krieg. Ebenso markant ein anderer Ort: die Glienicker Brücke, Filmkulisse, legendär für den Agentenaustausch Ost-West. 

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