Berlin - Es ist einer der am längsten andauernden Streitfälle der internationalen Kulturpolitik: Wohin gehören die 1898 in Benin-Stadt von britischen Truppen geplünderten und dann über den Londoner Kunstmarkt international verbreiteten Kunstwerke?

Nun endlich haben sich wenigstens die in der Benin Dialogue Group zusammengeschlossenen deutschen Museen geeinigt, wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Donnerstagabend bekannt gab: Erste „substanzielle Rückgaben“ solle es schon „im Verlauf des Jahres 2022“ geben. Diese seien neben „größtmöglicher Transparenz“ das zentrale Ziel.

Deswegen sollten, so Grütters, nun ein vollständiges Register aller in deutschen Museen befindlichen Kunstwerke aus Benin erstellt und die Umstände von deren Erwerbungen geklärt werden – nicht alle sind in Folge der Plünderungen in die Museen gelangt, manche Objekte waren auch schon lange vor 1898 Handelsgut, andere kamen sogar erst nach der Unabhängigkeit Nigerias auf den Kunstmarkt.

Die Objekte stammen aus britischen Plünderungen

Es ginge, auch wenn Benin-Stadt nicht durch Deutsche geplündert worden sei, darum, sich „Deutschlands kolonialer Vergangenheit“ zu stellen. Der Beschluss sei „eine historische Wegemarke im Umgang mit der kolonialen Vergangenheit.“ Die enge Zusammenarbeit mit den nigerianischen Behörden, zivilgesellschaftlichen Gruppen und Vertretern der einstigen Königsfamilie seien Teil des Projekts, schon Ende Mai sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden.

Sicherlich betroffen sein werden die Ausstellungen etwa im Berliner Humboldtforum, im Hamburger einstigen Völkerkundemuseum, im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe oder im Stuttgarter Lindenmuseum. Wie weit die deutschen Museen versuchen werden, Kunstwerke aus Benin als Leihgaben zu erhalten und was sie dafür als Kompensation anbieten könnten, ist noch unklar.