Farben treiben aus wie im Frühling die Knospen: Der Berliner Maler Volker Henze

Der Berliner Maler Volker Henze malte für die Nikolaikirchen-Kapelle die Variante 11 eines kriegsverschollenen Wandbildes.

Volker Henzes Variante der „Auferstehung“ (Ausschnitt). Das Original eines unbekannten Malers von 1724 ist seit Kriegsende 1945 verschollen.
Volker Henzes Variante der „Auferstehung“ (Ausschnitt). Das Original eines unbekannten Malers von 1724 ist seit Kriegsende 1945 verschollen.VG BIldkunst Bonn 2023/Museum Nikolaikirche Berlin/Stadtmuseum

Es ist Fastnacht. Und am Aschermittwoch ist alles vorbei. Die Fastenzeit beginnt. In Berliner oder brandenburgischen Gefilden haben die aus Katholizismus und Mummenschanz des Mittelalters stammenden (meist feuchtfröhlichen) karnevalistischen Rituale eher sparsame Tradition. Hie und da gibt es danach eine feierliche Altarverhüllung – bis Karsamstag auch in protestantischen Kirchen.

Ein Kunstprojekt in der barocken Kraut-Kapelle des Museums Nikolaikirche im Berliner Nikolaiviertel geht seit 2021 andere Wege quer durchs Kirchenjahr – und die auch in säkularen Kreisen gefeierten Festtage. Da malen Berliner Künstlerinnen und Künstler (gewonnen vom Nikolaikirchen-Kurator Albrecht Henkys) im Turnus von zweieinhalb Monaten nicht die kathartische Passion, sondern den frohen österlichen Moment der Auferstehung Christi. Schon an zehn Varianten in verschiedensten Stilen konnten wir uns erfreuen; anstelle des in den Wirren zu Kriegsende 1945 aus besagter Kapelle verschollenen (gestohlenen, zerstörten?) Gemäldes.

Gerade hat der Berliner Maler Volker Henze seine Variante in den deckenhohen Sandsteinrahmen gesetzt. Henze, geboren 1950, Absolvent der Kunsthochschulen Burg Giebichenstein Halle und HfBK Dresden, malt abstrakt und in leuchtenden Farben. Sein Motiv lässt auf den ersten Blick kaum Bezüge zur – nur noch auf einem alten vergilbten Foto sichtbaren –figürlichen Ikonografie des verschollenen Auferstehungsgemäldes von 1724 erkennen. Ebenso wenig orientierte Henze sich am sonstigen Formen-Brimborium im barocken Kapellenraum mit allerlei Allegorien des Todes.

Dennoch fügt seine emotionale Malerei sich ein, gerade weil sie Lebenslust und Farbenpracht ausstrahlt, sozusagen die Hoffnung auf ein Leben jenseits von Ängsten, Krieg und Tod. Er selbst vergleicht das mit dem alljährlich im Frühling, um die Osterzeit herum erlebbaren Austreiben der Bäume, Büsche, Stauden, der Auferstehung der Natur, auch durch deren immer wieder wundersame Anpassungsfähigkeit. Und Henze symbolisiert dieses Wunder gerade auch in den Farben des Regenbogens, als Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Alles in diesem temporär statt der großen Leerstelle seit 1945 angebrachten Gemälde wirkt schwerelos, die Farben schwingen über einem grünen Hügel bis ins Tiefblau des Himmels hinauf. Henze möchte, dass wir Betrachter das Schwirren der (Frühlings-)Luft gleichsam hören können. Auch wenn die Welt mit ihren menschengemachten Krisen und Kriegen noch lange nicht gut ist – das Leben ist schön!

Nikolaikirche im Nikolaiviertel, Berlin-Mitte, Kraut-Kapelle, Mo.–So. 10–18 Uhr, Eintritt frei

Malerei von Volker Henze ist auch noch  bis zum 25. Februar in der Galerie Sandau & Leo, Tucholskystr. 38, zu sehen.