Jay Mark Johnsons Panoramen hängen über Eck, ziehen sich unter Plexiglas wie Laufbänder die Galeriewände entlang, horizontale Landschaften, auf denen Mysteriöses passiert. Etwas, was sich nicht genau benennen lässt. „No Stone Unturned“ nennt der Kalifornier seine Ausstellung in der Galerie Deschler. Übersetzt heißt das so viel wie: nichts unversucht lassen. Das klingt nach Hoffnung. Nach Zuversicht. Es drückt aus, man dürfe nichts unversucht lassen, die Erde vor dem ökologischen Kollaps zu retten. Gleichzeitig weist der Fotograf mit diesem Titel aber auch darauf hin, dass die Menschheit bis jetzt jeden Stein umgedreht hat (unturned = nicht umgedreht) beziehungsweise die Menschen jeden Platz der Welt an sich gerissen haben, die unberührten Flecken der Welt nicht mehr unberührt bleiben und somit alles zerstört wird. Dazu sagt er im Blick auf seine Berliner Ausstellung in der Galerie Deschler: „Humans have gone over everything and destroyed it, they turned every rock everywhere.“

Auf den ersten Blick erlebt man abstrakte Streifenbilder, wie sie die englische Op-Art-Altmeisterin Bridget Riley malt und die uns Betrachter mit visuellen Verschiebungen irritieren. Aber der Kalifornier, Jahrgang 1955, studierter Architekt, Anthropologe, Medienaktivist und Filmemacher, inszeniert minutiös etwas, was nicht nur eine Momentaufnahme in diesem minimalistischen Muster, wie als abstrahierte Erdschichten, bannt. Es ist auch, als würde sich eine Katastrophe in Zeitlupe ankündigen in den wie endlosen Streifenlandschaften. Denn auf einem nächsten Panorama formieren die Staubwolken aus der aufgewühlten Erde sich zu einer geschossartigen Lawine.

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