Paris - Le Moulin de la Galette an der Ecke Rue Lepic und Rue Girardon, mitten im berühmten Amüsierviertel Montmartre, gehört zum Programm jedes ambitionierten Paris-Besuchers: Es ist die letzte von 30 Mühlen, die einst den Montmartre-Hügel zierten, Überbleibsel eines versunkenen Stücks Paris.

Einen Einblick in diese vergangene Welt bietet ein jetzt aufgetauchtes Gemälde von Vincent van Gogh, der von 1886 bis 1888 auf dem noch bäuerlich geprägten Hügel wohnte: Es zeigt die Moulin de la Galette noch auf freiem Feld, umrahmt von einem brüchigen Lattenzaun. Davor zwei Ausflügler, die von der bald folgenden Transformation der Gegend künden: vom ländlichen Idyll zum Bohéme-Viertel mit globaler literarisch-künstlerischer Strahlkraft.

Auch davon ist nur mehr wenig übrig als der Mythos. Quadratmeterpreise von inzwischen über 10.000 Euro haben die Künstler und Lebenskünstler längst aus Montmartre vertrieben. Der seinerzeit weithin mittellose van Gogh würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was in der Spanne von nur zwei Menschenleben aus dem Hügel geworden ist, auf dem er dereinst Zuflucht fand.

Auch die Karriere seiner „Scéne de rue á Montmartre“, wie das Bild heißt, könnte er nicht ansatzweise nachvollziehen. Es ist nicht bekannt, was ihm die französische Familie, in deren Besitz das Gemälde seit seiner Fertigstellung war, einst dafür zahlte. Bei Sotheby’s, wo es im März versteigert werden soll, rechnet man mit fünf bis acht Millionen Euro.