Was für ein geniales Spiel mit zwei Begriffen, die in der Welt der Kunst so bedeutsam sind: Original und Fälschung. Das in Brooklyn ansässige Künstlerkollektiv MSCHF hat für 20.000 Dollar eine Warhol-Zeichnung gekauft und verkauft sie nun für 250 Dollar. Die Sache hat nur einen Haken: Gleichzeitig mit dem Original verkaufen die schlauen Leute von MSCHF 999 Fälschungen, die wegen einer speziellen Alterungsbehandlung, der das bemalte Papier unterzogen wurde, kein Mensch vom Original unterscheiden kann, Aura hin oder her.

Es geht um die Zeichnung „Fairies“, die aus nicht mehr als ein paar Linien besteht. Es kann nicht schwer gewesen sein, ein Programm zu schreiben, das einen Roboterarm dazu befähigte, die Zeichnung immer wieder auf Papier zu bringen. Und Andy Warhol hätte womöglich seinen Spaß daran, er arbeitete ja selbst mit Wiederholungen, warf mit seinen Bildern von Campbell-Dosensuppen oder den Porträts von Marylin Monroe Fragen von Authentizität und Aneignung auf, genau wie das Projekt von MSCHF. Auch wenn man einwenden könnte, dass MSCHF sein Werk zerstört haben, ohne es zu zerstören.

Denn MSCHF, deren Akronym sich ausspricht wie mischief, also Unfug oder Posse, behaupten, selbst nicht mehr zu wissen, bei welchem Blatt es sich um das Original handelt. Das Vertrauen, das echte „Fairies“ vor sich zu haben, ist also für immer dahin. Wer immer einen solchen Kauf tätigt, kauft Hoffnung, kauft Zweifel, setzt auf sein Glück, auch wenn er weiß, dass seine Chancen schlecht stehen.

Eigentlich ist es auch egal, denn jeder Käufer hat erstens eine gute Geschichte zu erzählen. Zweitens wird er durch seinen Kauf nicht nur Besitzer, sondern Teil dieses Kunstprojekts, das wiederum echt ist. Ein Original mit dem Titel „Possibly real copy of ‚Fairies‘ by Andy Warhol“. Es ist laut MSCHF schon ausverkauft. Die Künstler haben 20.000 Dollar ausgegeben und 250.000 Dollar eingenommen. Echt genial!