Versprochen ist versprochen. Dem vom „Kunstkompass“ soeben wieder zum wichtigsten lebenden Künstler der Welt gekürten Maler Gerhard Richter gehört diese womöglich altmodisch anmutende Haltung unabdingbar zum Wertekanon eines funktionierenden Gemeinwesens. Seit seiner Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie 2012 erwog der am 9. Februar 1932 in Dresden Geborene, das Zentralgestirn der Moderne in Deutschland mit Dauerleihgaben zu bedenken. Den Anfang machte er im März mit dem vierteiligen Birkenau-Zyklus von 2014.

Gerhard Richter-Stiftung 2021
Gerhard Richter: Fotoübermalung  „Besetztes Haus,“ 1989 

Nun kommt der große Nachschlag. Richter überlässt der Nationalgalerie fürs künftige Museum des 21. Jahrhunderts – die Baugrube am Kulturforum  ist hinter soliden Bretterverschlägen ausgehoben – insgesamt 100 Werke. Ab 2023 sollen sie zunächst im Grafischen Kabinett des edel restaurierten, im Spätsommer wiedereröffneten  Mies-van-der-Rohe-Baus an der Potsdamer Straße zu sehen sein. Insbesondere der wegen seiner Tragweite für die Geschichte Deutschlands und das Holocaust-Gedenken so bedeutende Birkenau-Zyklus. Nach Fertigstellung des Neubaus von Herzog & de Meuron, im Volksmund wegen seiner profanen Architektur auch „Scheune“ genannt, soll es dann einen ganzen Richter-Bereich geben. Dafür ist auch eine Kooperation für den Austausch mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden beschlossen. Im dortigen Albertinum befindet sich das Richter-Archiv samt vieler Hauptwerke.

Gerhard Richter-Stiftung 2021
Gerhard Richter: „4900 Farben“, 2007 – Detail/196 Tafeln

Der Leihvertrag für 40 Gemälde und 60 übermalte Fotos wurde am Montag in Köln, Richters Arbeits- und Wohnort, unterzeichnet. Der bekanntlich eher wortkarge und gern lakonische Gerhard Richter wurde bei dem gestrigen Akt ungewohnt pathetisch und sagte: „Nachdem ich mit der Stiftung einen Lebenstraum realisieren konnte, ist es eine beglückende Auszeichnung, dass diese Werke in Berlin ihre Heimat finden.“