Gerhard Richters später Wechsel zu David Zwirner

Malt der inzwischen 90-jährige Gerhard Richter nun doch wieder? So heißt es, denn plötzlich hat er einen neuen Galeristen: David Zwirner.

Gerhard Richter im Jahr 2016 in seinem Kölner Atelier vor einer seiner großen Abstraktionen.
Gerhard Richter im Jahr 2016 in seinem Kölner Atelier vor einer seiner großen Abstraktionen.dpa/Oliver Berg

Großes Staunen. Alle raten. Keiner weiß eine Antwort auf die Frage nach diesem jüngsten Sinneswandel: Gerhard Richter, 90 Jahre alt und seit Jahrzehnten unumschränkter Malerstar in der Kunstwelt, hat auf einmal – so spät – den Galeristen gewechselt.

Bislang fast 40 Jahre lang führte für jeden Sammler, Kuratoren, Kunstbuch-Verleger oder auch nur jemand, der über Richter forschen, gar eine Dissertation über ihn schreiben wollte, kein Weg an der US-amerikanischen Kunsthändlerin Marian Goodman vorbei. Das ändert sich jetzt: Künftig wird der mit Standorten in New York, London, Paris und Hongkong ausgestattete Deutsche David Zwirner Richters General-Impresario sein. Er ist der Sohn und Nachfolger von Rudolf Zwirner – einem der bekanntesten und erfolgreichsten Kunsthändler der Nachkriegszeit und Mitbegründer der Kunstmesse Art Cologne.

Den Birkenau-Zyklus, sein gemaltes Holocaust-Mahnmal, übergab Gerhard Richter letztes Jahr der Berliner Nationalgalerie für das künftige Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum.
Den Birkenau-Zyklus, sein gemaltes Holocaust-Mahnmal, übergab Gerhard Richter letztes Jahr der Berliner Nationalgalerie für das künftige Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum.imago/Robert Michael

Schon für März 2023 hat David Zwirner in New York jetzt eine Soloschau angekündigt, mit ganz neuen Werken des ursprünglich aus Dresden stammenden Kölner Meistermalers, der Jahr für Jahr die Weltranglisten anführt. Doch was heißt das nun eigentlich – „eine Schau mit neuen Bildern“? Letztes Jahr, bei Übergabe eines ganzen Werkzyklus, darunter auch der vier Tafeln der Birkenau-Folge für das gerade neu entstehende Museum des 20. Jahrhunderts am Berliner Kulturforum, hat der alte Künstler sich zuletzt erklärt: Er habe alles gemalt, alles ausprobiert, alles gesagt. Es sei Zeit, Schluss zu machen mit dem so kräftezehrenden Malen. Fortan werde er lieber nur noch ein wenig zeichnen.

Ähnliches hatte er schon 2018 angekündigt, bei seiner großen Retrospektive im Potsdamer Museum Barberini im Beisein des Sammlers Hasso Plattner. Damals und erst recht bei Dresdner Ausstellungen im Albertinum sowie bei der Übergabe der erwähnten Birkenau-Tafeln 2021 in der Alten Nationalgalerie Berlin ging ein bedauerndes, zugleich auch achtungsvolles Raunen durchs Publikum. Die Entscheidung gebot Respekt. Auch deshalb, weil Richter, anders als viele andere alte Barden seiner Zunft, nicht lediglich eine Schar Assistenten Leinwände ausmalen lassen wollte, um den begierigen Kunstmarkt zufriedenzustellen. Der neue Galerist Zwirner, der die Zusammenarbeit mit Richter als „immense Ehre und ein großes Privileg“ bezeichnet, könnte dessen malerische Alterskräfte mobilisiert haben.