Auktionshäuser gelten gemeinhin als kühle Broker im dauerüberhitzten Kunstbetrieb. Sie steigern den Mehrwert der Kunst, das ist ihr Job, und sie machen ihn meist verdammt gut, seit im Jahr 1674 das Stockholmer „Auktionsverk“ die Arbeit aufnahm, 1707 gefolgt vom Dorotheum Wien und 1744 von Sotheby’s sowie 1766 von Christie’s in London.

Gegen diese Traditionsbarden nimmt sich das Berliner Auktionshaus Grisebach aus wie ein Jungspund. Die erste Versteigerung in der Stadtvilla in der Fasanenstraße fand 1986 statt. Heute gilt das Haus als Anlaufpunkt für die Klassische Moderne. Und in deren erste Reihe gehört der Figurenmaler Max Beckmann, geboren 1884 in Leipzig, gestorben 1950, im zweiten Exil und mitten auf der Straße in New York. Herzinfarkt.

Als der aus Nazideutschland nach Amsterdam Geflohene „Badende mit grüner Kabine und Schiffern mit roten Hosen“ malte, notierte er ins Tagebuch: „War in Zandvoort und zu Fuß nach Overveen, ziemlich anstrengend, aber das Meer war wieder Meer und sagte guten Tag, Herr Beckmann“. Seither befand sich die Nordsee-Strandszene mit dem meisterlichen Rhythmus der Bildelemente und dem sublim leuchtenden Himmel im Besitz der Familie. Zum Jahresende 2021 gaben die Erben das Werk zu Grisebach. Das kam einer Wiederentdeckung gleich. Die nur 80 x 60 Zentimeter große Leinwand gilt in der Beckmann-Rezeption als ganz persönliches Schicksalsbild.

Grisebach
Eine seiner schönsten Meeresansichten: Max Beckmanns „Badende mit grüner Kabine und Schiffern in roten Hosen“, am Strand von Zandvoort.

Soeben erst gab das Auktionshaus das Ergebnis und auch den künftigen Besitzer bekannt: Beckmanns Exil-Motiv, bei dem er die Hoffnungsfarbe Grün so intensiv eingesetzt hat, erbrachte 2.305.000 Euro (inkl. Aufgeld). Und es gehört nunmehr keinem reichen Oligarchen oder Scheich, sondern dem Kunstmuseum Den Haag, vormals Gemeentemuseum und eines der wegen seiner Moderne-Sammlung respektabelsten kommunalen Kunsthäuser Europas.

Im Hause Grisebach ist man froh, das vermittelt zu haben – in ein öffentliches europäisches Museum. Kräftig beigesteuert zur hohen Auktionssumme haben die Rembrandt-Gesellschaft und der Mondrian-Fonds. Beckmann hatte ein Drittel seines Œuvres in der Exilzeit in den Niederlanden geschaffen und gerade Meeresmotive spielten eine Rolle. Die Küste hatte ihn in ganz besonderer Weise inspiriert. Nur besaß bislang keine öffentliche Sammlung der Niederlande eine dieser Beckmann-Szenen von der eigenen Küste. Nun hat Den Haag eine Ikone. Mitten in der Corona-Zeit ist das gelungen.