Wo wäre Berliner Kunst besser aufgehoben, als in der Berlinischen Galerie? Die hiesige Sparkasse gehört seit Jahren zu den Sammlern von Kunst. Am Donnerstag übergab das Geldinstitut im Max Liebermann-Haus ein kostbares Konvolut der Dadaistin Hannah Höch (1889–1978) als Dauerleihgabe ans Landesmuseum. Es handelt sich um acht Gemälde, 20 Collagen und 14 Zeichnungen. Durch diese Großzügigkeit der Sparkasse  – Geben ist ja laut Bibel seliger denn Nehmen – werden diese Werke bald für die Öffentlichkeit zugänglich und überdies ist die professionelle konservatorische Betreuung der fragilen Arbeiten gesichert. Gleiches kündigt die Sparkasse auch für Bilder des Informel-Malers Fred Thieler und des Realisten Otto Nagel an.

Für die Berlinische Galerie ist das eine große Bereicherung des Sammlungsbestandes an Höch-Werken und des dokumentarischen Nachlasses, der 1979 nach Höchs letztem Willen in die Künstler-Archive des Museums kam. Mit rund 12.000 Archivalien und den Bildwerken ist dies ein kunstgeschichtlicher Fundus ersten Ranges. Schließlich ist die Dadaistin eine der genialsten deutschen Künstlerinnen der Vorkriegsmoderne, eine Stilpluralistin, die sowohl gegenständlich wie abstrakt malte und mit ihren virtuosen, gesellschaftskritischen Collagen zur Zeit der Weimarer Republik nicht nur dem einstigen Geliebten, Ober-Dada Raoul Hausmann, ebenbürtig war, sondern auch einem politischen Montage-Meister wie John Heartfield das Wasser reichen konnte. Heute gilt Höch als Vorläuferin von Pop-Art und Fluxus.

H.Höch/VG Bild-Kunst, Bonn 2021/Sammlung Sparkasse Berlin
Hannah Höch: „Entartet“, 1969, Papier, Collage

Diese erste Frau im Männerclub der Avantgardisten montierte aus Fotos, Schlagzeilen, Texten aus Zeitungen, von denen es in den Goldenen Zwanzigern ja zahllose gab, ein Kaleidoskop aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und dem rastlosen und glamourösen Nachtleben, ebenso wie dem oft brutal harten Alltag der kleinen Leute. Bei keiner Berliner Künstlerin ihrer Zeit – ausgenommen Käthe Kollwitz – wurde das unheilvolle Zusammenspiel von Politik, Kapital, Militär, Kirche und dem Bildungsbürgertum derart zum Thema. Höchs lakonische Persiflagen kündigen die Katastrophe des Dritten Reiches an. Ihre Kunst, ihre politische Gesinnung und ihr freier Lebensstil, indem sie Männer wie Frauen liebte, brachte ihr bei den Nazis das Verdikt „entartet“ ein und trieb sie in die innere Emigration in ihrem verwunschenen Garten in Heiligensee. Dieses Refugium war auch nach dem Krieg ihr Alterssitz, den sie trotz der großen Anerkennung im Kunstbetrieb, mit Ehrungen und Ausstellungen nicht mehr eintauschte gegen ein Atelier in der Stadt.