Sein Malerblick war anders. Immer herb-romantisch, mit einem Anflug von Schwermut. Klaus Roenspieß benutzte ruhige, gedeckte Farben für seine Stadtmotive, ließ darin leuchtende Töne aufblitzen, als rote Brandmauer, als preußischblaues Türmchen, als grüner Rucksack auf dem Rücken eines Touristen.

Das blieb bei ihm so auch nach dem Mauerfall, als Berlin zur immer turbulenteren und hipperen Welt-Partystadt und der graue Osten immer bunter wurde. Klaus Roenspieß, Jahrgang 1935, gehörte zu einer Malerszene, die man zu DDR-Zeiten als „Berliner Schule“ bezeichnete, wegen einer thematischen Hinwendung und stilistischen Haltung, die gar kein Stilschule in dem Sinne war. Jeder dieser gleichaltrigen Malerfreunde von Roenspieß, seien es Harald Metzkes, Joachim Böttcher, Christa und Lothar Böhme, Wolfgang Leber, Hans Vent, Konrad Knebel oder Dieter Goltzsche, hielten sich fern von den ideologischen Vorgaben der Kulturoberen, ebenso von den Ismen des Kunstbetriebs und den flüchtigen Trends.

Maler wie Roenspieß suchten stattdessen ihr eigenes Arkadien, machten Stadtraum, Landschaft und Mensch zu einer Symbiose, zu Gleichnissen für den Sinn des Lebens auch in schwierigen Zeiten, mal mit dem Pinsel, mal mit grafischen Techniken. Die hatte er sich bei einem kurzen Abendstudium an der Kunsthochschule Weißensee angeeignet. Später blieb er Autodidakt; der akademische Unterricht in der Ära Ulbricht behagte ihm nicht.

Galerie der Berliner Graphikpresse//Holmsohn. 2017
Der Maler Klaus Roenspieß (1935-2021)

Soeben informierte die Galerie der Berliner Graphikpresse, die sein Werk vertritt, dass der stille Flaneur im steinernen Berlin, auf den Plätzen, in den Parks, am 12. Juni , 86-jährig in aller Stille (wie typisch) gestorben ist. Seine Bilder, in denen er sich unübersehbar mit den französischen Fauves um Matisse und Vlaminck, ebenso mit dem Blaue-Reiter-Expressionisten August Macke auseinandergesetzt hatte, gehören Sammlungen der Nationalgalerie, des Stadtmuseums Berlin, des Kunsthistorischen Museums Magdeburg und Privatsammlern.

Einer der wichtigsten Malerei-Kenner des deutschen Ostens, der 2020 mitten in der Corona-Pandemie verstorbene Kunsthistoriker und langjährige Nationalgalerie-Kustos Roland März, schrieb über Klaus Roenspieß, wie man es treffender nicht sagen könnte: „Roenspieß gibt karge Innenbilder dieser Stadt in gefasster, verhaltener Expressivität, durchtränkt von Melancholie, Sehnsuchtslandschaften, die Erinnerung beschwören und in denen Fülle die Leere bezwingt. Darin ist Roenspieß der Romantiker unter den Gefährten seiner Generation ... Ein Tektoniker der Innerlichkeit.“