Ein Kleinkind wird von der Ärztin gefragt, ob es schon ein paar Worte sprechen kann. „Torona, Lottdown, Impftesaster“, hat Thomas Plaßmann ihm in die Sprechblase gekritzelt. Sein Buch „Unterm Strich“ mit den „Karikaturen des Jahres“ eröffnet der satirische Zeichner mit einem Bild zur Corona-Pandemie, natürlich. Im Vorwort allerdings gesteht er, sich am Ende des vorhergegangenen Jahres vertan zu haben, als er  hoffte, 2021 ein Kapitel „Das Ende der Pandemie“ nennen zu können.

Also grassiert das Virus auch im Buch. Nach vielen Bildern mit Kugelwesen, Teststäbchen und Home-Offizieren geht es einige Seiten lang ums Impfen. Da sieht man zum Beispiel ein Paar am Frühstückstisch. Er presst aus runtergezogenen Lippen die Frage: „Ob wir das hier bei uns irgendwie hinkriegen mit der Impfung?“ Sie antwortet trocken: „Der BER ist ja auch fertig geworden.“

Dann aber folgt das weite Feld der Politik, hauptsächliche Spielwiese des 1960 in Essen geborenen Karikaturisten. Seine Zeichnungen haben oft ihren Platz auf der Meinungsseite der Berliner Zeitung – wenn nicht Heiko Sakurai mit Stift und Farbe im Einsatz ist. Brecht umdeutend, könnte man sagen, Sakurai zeichnet die Rund-, Plaßmann die Spitzköpfe. Beide haben ihren jeweils eigenen Stil, beide lesen Nachrichten auf ihre Zuspitzung hin.

Auffällig bei Plaßmann ist, wie scharf er zuweilen Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft angreift, in ungünstiger Gestalt und mit lächerlichen Zitaten, während sein Blick auf die sogenannten einfachen Leute gar liebevoll ausfällt. Und so neigt sich bei der Krötenwanderung die Waagschale mit dem Geld für die Miete nach unten, so sitzt eine Rentnerin bei Kerzenschein in der Wohnung, müssen Menschen mit der Rückenaufschrift „Allein erziehend“ und „Arm“ vor der Tür bleiben, während sich in der Lobby Leute mit Aktentaschen und Rollkoffern drängeln. Auch das gehörte zum Jahr 2021.

Thomas Plaßmann: Unterm Strich. Die Karikaturen des Jahres. Klartext-Verlag, Essen 2021. 128 Seiten, 16,95 Euro