Würde man die  großen alten deutschen Stars der Kunst von heute fragen, wer ihr wichtigster Förderer war, dann würden die ebenfalls in die Jahre gekommenen Maler Gerhard Richter, Markus Lüpertz, Georg Baselitz oder Anselm Kiefer den Namen des so einflussreichen wie engagierten Kunsthistorikers und Museumsmannes Klaus Gallwitz  nennen. Ab 1974 war Gallwitz für zwei Jahrzehnte Direktor des renommierten Städel Museums in Frankfurt am Main. In den 20 Jahren seiner Amtszeit habe er in mehrfacher Hinsicht sein Gespür für zeitgenössische Kunst bewiesen und damit Ausstellungsgeschichte geschrieben“, sagte Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig, als die Nachricht vom Tod Gallwitz' kam. Er starb 91-jährig bereits am 21. Oktober im Kreis in Karlsruhe, wie die Familie am Montag mitteilte.

Die Liebe zur Kunst begann bei dem in Dresden geborenen Sohn eines Geologie-Professors schon im Elternhaus, in dem Künstler wie Emil Nolde ein- und ausgingen. Nach dem Studium in Ostberlin, Halle/Saale, Kiel, München und Göttingen eröffnete der frisch Promovierte 1957 in Karlsruhe eine Galerie. Künstler der benachbarten Akademie wie HAP Grieshaber oder Horst Antes stellten dort aus. Später organisierte Gallwitz als Geschäftsführer des Badischen Kunstvereins Ausstellungen über Beckmann, Corinth und Kokoschka. Mit dem „Garten der Lüste“ von Horst Antes zur Bundesgartenschau 1967 machte er bundesweit Furore. Im gleichen Jahr ging er als Leiter der Staatlichen Kunsthalle nach Baden-Baden, wo er mit einem breiten Ausstellungsspektrum auf sich aufmerksam machte. Junge Kunst präsentierte er in der erfolgreichen Reihe „Vierzehn mal Vierzehn“, in der alle zwei Wochen ein anderer Künstler vorgestellt wurde – der Auf- und Abbau auf offener Bühne inklusive. 

Auch während seiner Amtszeit als Direktor des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt/Main zeigte Gallwitz mit Ausstellungen von Richard Long, Dan Flavin oder der Künstlergruppe Zero sein Gespür für Qualität. In Vorträgen und Büchern warb der Picasso- und  Beckmann-Spezialist für die Moderne und unterstützte eigenwillige Künstler wie Joseph Beuys und den Bildhauer Ulrich Rückriem. 1990 wurde im Städel ein neuer Gebäudeteil für die Moderne eröffnet. Für Anselm Kiefer, der sich in seiner Malerei intensiv mit der dunkelsten deutschen Geschichte befasst, richtete Gallwitz sogar ein eigenes Kabinett ein. 2003 wurde der Kunsthistoriker zum Gründungsdirektor des Museums Frieder Burda berufen. Dieses gut bestellte Haus leitet inzwischen der vormalige Direktor der Nationalgalerie Berlin, Udo Kittelmann.