Es gibt nicht viele Gemälde, die es als Poster in Jungmädchenzimmer schaffen. Gustav Klimts im Jahr 1909 vollendetes Werk „Der Kuss“ gehört auf jeden Fall dazu. Es stammt aus der Goldenen Phase des Jugendstilmalers und zeigt ein Liebespaar in inniger Umarmung vereint. Das Gemälde war von Beginn an Projektionsfläche für romantische Gefühle. Zu besichtigen ist es im Wiener Belvedere, und dort ist nun die Idee entstanden, wie man das Werk auf ganz neue Art vergolden könnte.

Zu diesem Zweck haben sie eine hochauflösende digitale Kopie des Gemäldes in 10.000 digitale Einzelteile zerlegt. Diese werden als NFTs (Non-Fungible Tokens) verkauft. Ein Stück – jedes ein Original, die Blockchain-Technologie macht’s möglich – wird voraussichtlich 1850 Euro kosten. Interessenten können sich bereits jetzt auf der Webseite thekiss.art auf einer sogenannten Whitelist eintragen. Allerdings braucht man dafür nicht nur einen gut gefüllten analogen Geldbeutel, sondern muss über ein elektronisches Wallet verfügen.

Der Clou: Der Drop, also der Zeitpunkt, an dem man Zugang zu seinem Klimt-Bruchstück erhält, ist der 14. Februar. Valentinstag! Will man das Kuss-NFT statt eines Blumenstraußes verschenken, kann man eine digitale Liebeserklärung hinzufügen.

Neue Wege der Teilhabe durch NFT-Kunst

Die virtuellen Originale eröffneten neue Wege der Teilhabe, sagt die Belvedere-Generaldirektorin. Teilhabe, die finanziell ernst zu nehmen sei. Tatsächlich: Das Museum kann auf diese Weise 18,5 Millionen Euro generieren. Nicht schlecht!

Mit einem Schlag könnten sich doch auch die Berliner Häuser von finanziellen Nöten befreien, sich von der öffentlichen Hand unabhängig machen, die Corona-Sorgen vergessen. Würde sich nicht auch Caspar David Friedrichs Gemälde „Mönch am Meer“ aus der Alten Nationalgalerie hervorragend und gewinnbringend in seine Einzelteile zerlegen lassen? Oder Ernst Ludwig Kirchners „Potsdamer Platz“, Boticellis „Venus“? Alles nach dem Vorbild Wien.