Rettung der Berliner Rieckhallen: Entscheidung steht unmittelbar bevor

Die Ausstellungshallen am Museum Hamburger Bahnhof sind gesichert – wenn das Landesparlament am Montag dem Tauschkauf zustimmt.

Die 250 Meter langen, soliden Rieckhallen am Museum Hamburger Bahnhof sind erst gerettet, wenn das Abgeordnetenhaus dem Tauschkauf mit dem Grundstücksbesitzer CA Immo zustimmt.
Die 250 Meter langen, soliden Rieckhallen am Museum Hamburger Bahnhof sind erst gerettet, wenn das Abgeordnetenhaus dem Tauschkauf mit dem Grundstücksbesitzer CA Immo zustimmt.SMB Staatliche Museen zu Berlin

In Berlins Kunstkreisen macht gerade der Satz, „Es gibt also doch noch Wunder!“ die Runde. Ausgesprochen hat ihn Peter Raue, der hiesige Anwalt in kniffligen Kunstfragen.

Am Wochenende entwarf die Landespolitik den Nachtragshaushalt 2022/23. Sie schlägt darin auch die dringende Ausgleichsfinanzierung der vom Abriss bedrohten Rieckhallen an die Grundstückseigentümerin, die CA Immo vor. Der Konzern wollte dort ursprünglich ein Hochhaus bauen; er akzeptiert das Tauschangebot. Die Kompensation macht rund 100 Millionen Euro an Wert und Cash. Der Wert der Hallen beträgt 96 Millionen Euro, abzüglich der Wert des vorgeschlagenen Tausch-Grundstücks am Humboldthafen mit 26,5 Millionen. Die Differenz würde vom Land gezahlt. Die Werte der Flächen sind von einem Gutachter festgestellt. Somit kann der Senat die Rieckhallen nun als Sondervermögen für das Land Berlin kaufen.

Kommenden Dienstag soll der Vertrag über das mögliche Ende-gut-alles-gut-Schicksal der 250 Meter langen Hallen am Hamburger Bahnhof, eines der wichtigsten Orte für zeitgenössische Kunst in Deutschland, notariell beglaubigt werden. Vier Senatsverwaltungen haben daran mitgewirkt, Federführung hatte die Senatskulturverwaltung unter Klaus Lederer (Die Linke). Die Fürsprache der Regierenden Franziska Giffey (SPD) stellte den Konsens bei den Regierungsfraktionen im Parlament her.

Die Rieckhallen von außen: Unter den Ausstellungsflächen befinden sich idealerweise gleich die Depots für die in aller Regel eher sperrige Gegenwartskunst. Auf dem Flachdach ist Platz für Solarpaneele.
Die Rieckhallen von außen: Unter den Ausstellungsflächen befinden sich idealerweise gleich die Depots für die in aller Regel eher sperrige Gegenwartskunst. Auf dem Flachdach ist Platz für Solarpaneele.Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berliner Abgeordnetenhaus: Abstimmung am Montagnachmittag

Diesen Montagnachmittag wird der Nachtragshaushalt im Abgeordnetenhaus beschlossen. Damit entscheidet das Parlament auch endgültig über den Tauschkauf und die Rettung des Kunstortes, der zudem einen unschätzbaren Vorteil besitzt: die Depots befinden sich direkt unter den Hallen und das flache Dach bietet den Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung durch Solar.

Kann nun endlich ein Haken an diese Causa gemacht werden? Dürfen die seit Jahren bangenden Museumsleute aufatmen? Fällt nun auch dem samt seines Ressorts für den Erhalt der Rieckhallen wie Heinrich Löwenherz kämpfenden Klaus Lederer ein Stein vom Herzen? Stimmt das Abgeordnetenhaus zu, muss auch der Hamburger Bahnhof, dessen Grundstück ebenfalls der CA Immo gehört, vom Bund gekauft und beurkundet werden. Dies soll noch 2022 erfolgen. Abschließend müssen Senat, Vermögensausschuss und Parlament noch einmal über die Grundstücksgeschäfte beschließen. Die Formsache könnte bis Januar 2023 erfolgen. Dann wäre die Stadt Eigentümerin eines unverwechselbaren Kunstareals. Wunder sind möglich in Berlin, wenn alle mitziehen.