Großes Berliner Spektakel, damals, in den Neunzigern. Die Künstlerin Marina Abramović gab eine ihrer aufregenden Performances im 1991 gegründeten Institut Kunst Werke Auguststraße. Der Direktor Klaus Biesenbach hatte es geschafft, die Wahl-New Yorkerin einzuladen. Sie klemmte an einem kühlen Sommerabend splitterfasernackt im kruden Gemäuer der einstigen Margarinefabrik, hielt sich nur an vier Halterungen. Beängstigend schweigend hing sie da wie ein weiblicher Jesus am Kreuz. Auch die Zuschauermenge war stumm vor Staunen über derartigen Masochismus. Die Tochter kommunistischer serbischer Partisanen thematisierte mit dem eigenen, ausgesetzten, verletzlichen Körper die Gräuel des Krieges im einstigen Jugoslawien, die Trauer um die Ermordeten im Kosovo, um die von serbischen Soldaten vergewaltigten und getöteten Frauen in Bosnien.

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