Adolph Menzel (1815-1905), von den Berlinern liebevoll „die kleene Eminenz“ genannt, hat es dem Engländer Simon Starling angetan. Das „Auge des 19. Jahrhunderts“, wie es heute heißt, war nur 1,40 Meter groß, ein aus der Froschperspektive schauender, feingeistiger, selbstironischer Beobachter einer eher derben Wirklichkeit.

Den 1967 in Epsom geborenen Turner-Preisträger Starling fasziniert gerade das, vor allem „dieses als ‚Verkörperung‘ beschriebene Moment in Menzels Kompositionen“. Er sagt, dass die Körperlichkeit des grandiosen Zeichners und Malers in dessen Bildern sichtbar sei und erkennt darin Parallelen zur damals gerade erfundenen und heutigen Fotografie, „die das Bild nicht als Abdruck der Natur versteht, sondern als eine zusammengesetzte Realität, die sich aus unterschiedlichen Aspekten, Momenten und Räumen konstituiert“. Menzels Stil wirkt oft fast mikroskopisch. Er war ein Virtuose des Atmosphärischen: Licht, Düsternis, Dunst, Hitze, Kälte, Schmerz, Freude. Und so nimmt es nicht Wunder, dass Starling gerade die Pferde-Köpfe Menzels, diese schonungslos realistischen Motive vom Transport- und Arbeitstier, damit auch der geschundenen und schließlich beim Abdecker gelandeten Kreatur fotografisch paraphrasiert.

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