Nicolas Berggruen, einst Wallstreet-Broker, später Multi-Investor, insbesondere in Berlin, der Geburtsstadt seines Vaters, des geachteten Museumsgründers und Ehrenbürgers Heinz Berggruen, hat sich abermals schwer verliebt. Eine Liebe, die vor allem Begehren bedeutet. Diesmal aber gilt die Besitz-Obsession des Berggruen-Juniors nicht Berlin, wo er sich nach der Jahrtausendwende in das Café Moskau an der Karl-Marx-Allee vernarrte, es preiswert kaufen konnte und teuer sanieren ließ.

Er wolle den denkmalgeschützten Ausgehtempel, so tönte er damals großspurig, für die Berliner wiedereröffnen. Und zwar mit Restaurant, als Tanz- und Konzertlokal und diversen Kulturangeboten. Ein falsches Investorenversprechen. Das Kleinod der sozialistischen Moderne ist fast immer dunkel und leer, es öffnet nur gelegentlich für einträgliche Events. Sonst darf keiner rein.

Diesmal schlug Venedig, dieser urbane Mythos aus Renaissance- sowie Barock-Steinen und Wasser den reichen Kosmopoliten Nicolas Berggruen in den Bann. Dieser Tage ließ der in Berlin kaum mehr beliebte Karstadt-Versenker die erstaunte Kunstwelt wissen, dass sein Charitable Trust den Palazzo Diedo im Stadtviertel Cannaregio gekauft hat. Venedig hat ja schon lange einen Palazzo der Sammlung Peggy Guggenheim. Nun bekommt es auch noch einen Palazzo Nicolas Berggruen. Es wird restauriert, und dann startet „Art & Culture“. Basis des Ausstellungsprogrammes soll die private Sammlung des neuen Besitzers sein. Zudem schwebt dem in Paris geborenen Wahl-Kalifornier auch eine Künstlerresidenz vor. Einen Direktor hat das private Kunsthaus schon: Mario Codognato, zuvor Chef der Anish Kapoor Foundation Venedig.

Innovativ soll es zugehen im historischen Ambiente des neuen Mäzens. Das noch provisorische Housewarming obliegt Sterling Ruby aus L.A. – erster Artist in Residence zur 59. Biennale im April. Zur 60. Kunstbiennale 2024 soll dann alles perfekt sein. Das kostet einiges. Und so ist es kein Wunder, dass man in Kunstkreisen raunt, eine am 1. März bei Christie’s für sechs Millionen Pfund versteigerte Picasso-Grafik aus dem Berliner Museum Berggruen sponsere, als merkwürdige „Umverteilung“, den Deal La Serenissima.