Berlin - Dienstagmittag war ich in Uruk, der ältesten Megacity der Welt in Süd-Mesopotamien, heute Irak. Ich war nicht allein. Schon am Eingang der James-Simon-Galerie, wo Wärter die Zeitfester-Tickets kontrollierten, hatten etliche Altertumsliebhaber das gleiche Ziel, derweil sich die größere Zahl eilig und laut Richtung Neues Museum drängte. Garantiert zu Nofretete.

In Uruk blieb es still. Blick frei auf die Steinreste der 5000 Jahre alten Megapole. Die Großstadt, erzählt eine Schrifttafel, galt an sich damals als Gottheit, in der Geschichte als Ursprung der Zivilisation schlechthin. Uruk ist der Ort, an dem alles begann, politisches Zentrum, Wirtschaftsmotor, Zufluchtsort und Wesen einer Gottheit. Hier entstanden Bürokratie, Organisation, Arbeitsteilung und Dienstleistung. Monumentalarchitektur, Großplastik. Und in Uruk formte sich wahrscheinlich auch die Schrift und mit ihr Literatur, Wissenschaft. Was von Uruk blieb, ist Weltkulturerbe. „Steig doch hinauf, auf der Mauer von Uruk wandle umher, / die Fundamente beschaue und das Ziegelwerk prüfe“, das rät eine der ältesten Literaturleistungen der Menschheit, das Gilgameschepos. Seinen Namen hat es von seinem Helden, dem Erbauer der Mauer von Uruk. Im Pergamonmuseum wird das Bauwerk von einem imposanten Tempelfundament vertreten.

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