Rekordverdächtige Auktions-Sensation: Max Beckmanns „Selbstbildnis gelb-rosa“

20 bis 30 Millionen Euro Schätzpreis: Noch nie ist auf dem deutschen Kunstmarkt ein Werk in die Nähe einer solchen Summe gekommen wie nun bei Grisebach Berlin.

Das Beckmann-Selbstbildnis aus einer Schweizer Privatsammlung ist auf 20 bis 30 Millionen Euro taxiert. Grisebach-Direktorin Micaela Kapitzky hütet einen seltenen Kunstschatz.
Das Beckmann-Selbstbildnis aus einer Schweizer Privatsammlung ist auf 20 bis 30 Millionen Euro taxiert. Grisebach-Direktorin Micaela Kapitzky hütet einen seltenen Kunstschatz.AFP/Tobias Schwarz

Was lange Zeit undenkbar schien, überrascht auf einmal auf dem Kunstmarkt: In Privatsammlungen fest verankerte Max-Beckmann-Bilder gelangen auf Auktionen. So in der Grisebach-Dezember-Versteigerung das „Selbstbildnis gelb-rosa“ von 1943. Ein vergleichbares Meisterwerk des gebürtigen Leipzigers, der als Exilant 1950 auf der New Yorker Fifth Avenue an einem Herzinfarkt starb, war in Deutschland nach 1945 noch nie auf dem Auktionsmarkt. Taxiert auf 20 bis 30 Millionen Euro ist es rekordverdächtig. Noch nie ist ein Kunstwerk auf dem deutschen Markt auch nur in die Nähe einer solchen Summe gekommen. In den USA sind solche Preise für Beckmann jedoch bereits erzielt worden. 2001 wurde bei Sotheby’s in New York das „Selbstbildnis mit Horn“ für 22,5 Millionen Dollar ersteigert, es hängt in der Ronald Lauder Collection der „Neue Galerie New York“.

Beckmann wurde von den Nazis als „entartet“ stigmatisiert

Das Gemälde „Selbstbildnis gelb-rosa“ – entstanden im Amsterdamer Exil und ein Geschenk an Beckmanns Frau Quappi – befindet sich seit 1996 in einer Schweizer Privatsammlung. Solche Selbstbefragungen sind ansonsten meist nur in Museen zu sehen. Gerade Beckmanns Selbstbilder aus der Exilzeit sind seelenhafte Embleme einer Ausnahmesituation. Der von den Nazis als „entartet“ Stigmatisierte und Vertriebene leistete einen singulären Beitrag zur modernen Kunstgeschichte.

Zudem ist dieses Werk auch ein Bekenntnis von Widerstand. Das Gemälde unterscheidet sich auffallend von den vorherigen und den nachfolgenden Erkundungen des eigenen Ichs. Gegen alle Resignation malte er sich in ungewohnt hellen Farben ohne das düstere Schwarz. Die gelbe, pelzbesetzte Kleidung lässt vermuten, dass er sich in der Wohnung darstellte. Aber außer dem angeschnittenen roten Rahmen des Spiegels ist jeder Verweis auf den Ort, auf die Weltlage, den Krieg, die deutsche Besatzung in Amsterdam vermieden. Der Maler zeigt sich, einem buddhistischen Mönch gleich, ruhig, gelassen mit gekreuzten Armen, bewusst außerhalb der Gesellschaft. Wie ein Symbol für die unbesiegbare Kraft und die Gewissheit der Kunst – trotz Allem.

Und allen heutigen Krisen zum Trotz wird am 2. Dezember, ab 18 Uhr, eine Arbeit von Anne Imhof als Charity-Los aufgerufen. Der Erlös geht an das vom so früh verstorbenen Christoph Schlingensief initiierte Operndorf Afrika in Burkina Faso.

Berlin, Grisebach-Auktionen, Fasanenstr. 25–27, unter anderem mit Werken der Klassischen Moderne, wie Otto Dix, und Gegenwartskunst u. a. von Rosmarie Trockel, Rainer Fetting, Wolfgang Tillmans. Am 1. und 2. Dezember, Vorbesichtigung am 30. November, 10–15 Uhr, Anmeldung unter: auktionen@grisebach.com