Es war eine zentnerschwere Flugzeug-Ladung auf dem Weg von Tel Aviv nach Berlin, in die Galerie Alexander Levy, für die Ausstellung „Pillar of Salt“. Im Inhalt der Kisten steckte allerhand Poesie, herb und ein wenig schwermütig: Zerschlagene Basalt-Brocken mit Farbresten für Grenzmarkierungen. An der Wand hängen Filzbahnen, ehemals Dammbefestigungen an beiden Jordan-Uferseiten. Der getrocknete Tonschlamm aus dem heiligen Fluss bildet abstrakte Natur-Reliefs.

Ella Littwitz, 39, Künstlerin in Jaffa nahe Tel Aviv, hat es der von Geopolitik und mit religiösen Mythen aufgeladene Grenzstrom zwischen Israel und Jordanien angetan. Sie erzählt anhand der Objekte dessen Geschichte. Seit 1967 kontrolliert israelisches Militär den Grenzfluss, aber er ist unkontrollierbar, weil die Natur es so will. Der Verlauf ändert sich durch die Reibung zweier tektonischer Platten im Großen Grabenbruch. Der Jordan ist mit Qasr al-Yahud der Ort, an dem Jesu getauft worden sein soll. Seit Ewigkeiten ahmen Gläubige dieses Ritual nach, obwohl die Stelle gar nicht mehr authentisch sein kann und niemand weiß, ob die Taufe nun am linken oder rechten Ufer stattfand. Zudem besagt die Legende, der Jordan sei der Durchzugsort der Israeliten ins Gelobte Land. Sozusagen die Geburtsstätte der israelischen Identität und Nation nach dem Nomadenleben. Vom Jordan aus teilten sich demnach die zwölf Stämme, ans linke und rechte Jordan-Ufer und in der Stadt Nablus im Tal (heute Palästinensergebiet) erteilten die Priester Segen und Fluch.

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