Die Glasfassade vom „me Collector’s Room“ in der Berliner Auguststraße 41 ist mit großen Bahnen schwarz-weißer Zeichner-Motive von Wölfen zugeklebt. Seit einem Jahr ist der beliebte museale Kunstort mit seinem Restaurant zugesperrt und leergeräumt. Nun aber scheint sich drinnen etwas zu tun, was noch keiner sehen soll. Es heißt, in die Räume der Stiftung Olbricht – deren Hausherr Thomas Olbricht im Frühjahr 2020 zu unser aller Perplexität den Weggang aus Berlin zurück nach Essen verkündet hatte – ziehe ein Samurai-Museum ein.

Seit 2010 hat es an in diesem Haus über vierzig so feine wie erhellende Ausstellungen zeitgenössischer Kunst aus allen Richtungen der Windrose gegeben, mit Spitzenwerken von Gerhard Richter über Cindy Sherman bis hin zu kunstvollem Spielzeug aus der frühen sowjetrussischen Avantgarde. Sammler Olbricht, Arzt und Erbe des Wella-Kosmetik-Konzerns, hat einen weit gespannten Kunsthorizont, geleitet von universalem Sammeldrang: Er war neugierig auf fremde Geschichten und auf die Perspektiven anderer Kulturen, auf jene, die auch fernab des Westens liegen. Seine Vorliebe galt immer Themen wie Werden und Vergehen, Leben und Sexualität.

750 Objekte der Olbricht-Sammlung

Das führte zu einer Sammlung von 4000 Werken der Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie. Dazu zählte auch seine Wunderkammer, die Kurioses und Exotisches aus aller Welt beherbergte. In den zehn Berliner Museumsjahren öffnete er sie gerade jungen Leuten, da sie noch staunen können. Olbricht hatte mit dieser Fracht bis 2019 sogar ein Museumsschiff auf Spree- und Havelfahrt geschickt, um Kindern aus prekären Verhältnissen Bildungserlebnisse zu verschaffen.

dpa/ Federico Gambarini
Kunstsammler Thomas Olbricht vor den Gewebten Jacquard-Wandteppichen Musa (Archivfoto)

Dann kam der abrupte, unerklärte Abschied von Berlin. Und nun dieser Tage die Versteigerung von 750 Objekten der Olbricht-Sammlung bei Van Ham in Köln. Die Vorbesichtigungen finden vom 19. bis 21. Juni statt, die Auktion dann am 23. Juni. Vor allem die XXL-Werke werden voraussichtlich aufgerufen. Die riesigen und psychologisierenden Gemälde des Berliner Malers Jonas Burger gehören dazu, ebenso Andrea Zittels berühmter 28-teiliger Zyklus „Free Running Rhythms and Patterns Version II“ von 2000.

Bis Mitte der darauffolgenden Woche werden ebenfalls Stücke aus der Wunderkammer und der Design-Sammlung den Besitzer wechseln. Schon im Herbst 2020 hat Thomas Olbricht sich von 500 Sammlerstücken getrennt. Unsentimental, wie berichtet wird. Bis heute verschweigt der Professor, warum es zu diesem lakonischen Abschied von Berlin und nun noch von seinen geliebten Sammler-Schätzen kommt. Dass der Grund Geldnot sein könnte, ist eher unwahrscheinlich. Dass dieses Rätsel Raum für Spekulationen schafft, nimmt Olbricht in Kauf.

Weitere Versteigerungen finden sich unter: www.van-ham.com