Sasha Kurmaz wird Kiew nicht verlassen. Er will kämpfen. Bislang tat der 35-Jährige das mit seiner politischen Kunst. Nun zwingt Putins Aggressionskrieg ihn zu den Waffen. Kurmaz’ so martialischen wie ironischen „Tempel der Verklärung“, der jetzt direkt vor der alten Akademie der Künste im Berliner Hanseatenviertel steht, haben Freunde für ihn aufgestellt. Die Installation ist sein Beitrag für die Jahres-Ausstellung der Stipendiaten der „Jungen Akademie“. Sein AdK-Mentor ist eine Berühmtheit – der seit 1996 in Berlin lebende, heute 83-jährige ukrainische Fotograf Boris Mikhailov.

„The Temple of Transfiguration“, den Kurmaz vor kurzem fertigstellte, bekommt soeben eine noch schwerwiegendere politische Aufladung als ohnehin beabsichtigt. Es geht um die Popen und Putins Krieg. Der Künstler baute die Skulptur aus einem alten sowjetischen Militärlastwagen, setzte darauf eine orthodoxe Kirchenkuppel. Damit rekonstruiert er eines jener vielen religiösen Pop-up-Gebäude, die heute vor allem im Osten und Süden der Ukraine stehen – ohne Genehmigung der Stadtverwaltungen errichtet, um unter dem Deckmantel der Religion Bauland zu manipulieren und zu kontrollieren. Akteur, das will Kurmaz uns mit seinem absurden Tempelchen sagen, ist die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats (UOK-MP), Teil der russisch-orthodoxen Kirche und seit 2014 aktive Verbündete und nunmehr Teilnehmerin an der russischen Militäraggression. Als technologische Einheit des „hybriden“ Krieges und des „Informationskrieges" zielt sie darauf ab, die tatsächliche Situation zu verzerren. Sie dient zudem als Deckung für die Aktivitäten russischer FSB-Agenten, verbreitet propagandistisch die Ideologie der „russischen Ordnung“.

Diese Ordnung, das macht Kurmaz mit seiner Installation deutlich, sorgt dafür, die nationale und staatsbürgerliche Identität der Ukrainerinnen und Ukrainer zu untergraben, die Existenz ihres souveränen Staates zu leugnen. Während der Annexion der Krim halfen die UOK-MP-Priester russischen Spezialeinheiten und pro-russischen paramilitärischen Gruppen bei der Entwaffnung ukrainischer Soldaten. Als der Krieg im Donbass begann, unterstützten die verblendeten Popen eifrig die separatistische Bewegung, stachelten sie an und diskreditierten infam ihre religiösen Gegner: die progressiveren christlichen Konfessionen wie die Ukrainische Kirche des Kiewer Patriarchats (später Orthodoxe Kirche der Ukraine) und die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche.

Akademie der Künste Hanseatenweg 10, Ausstellung „What Matters“ – der Jungen Akademie, bis 10. April, tgl. 10–20 Uhr