Offiziell geht die Pariser Ausstellung der legendären Morosow-Sammlung mit rund 200 Werken von Cézanne, Monet, Matisse und Gauguin am 3. April zu Ende. Über 1,3 Millionen Besucher hat die Kollektion der russischen Brüder Morosow mit Meisterwerken der klassischen Moderne bislang angelockt. Doch seit der russischen Invasion in die Ukraine werden in den sozialen Netzwerken Rufe nach vorzeitiger Schließung der Schau in der Fondation Louis Vuitton laut – und sogar nach Beschlagnahmung der Werke.

Schutz vor Beschlagnahmung

Die Exponate sind Leihgaben russischer öffentlicher und privater Sammlungen. Mit jedem Tag, mit dem die Pariser Kunstschau sich ihrem Ende nähert, wird die Frage, was nun mit den Exponaten passiert, brisanter. Eine Frage, die sich zahlreiche Museen in Europa stellen, die ihre Säle mit Kunst aus Russland bespielen. Dabei geht es nicht nur um Herausforderungen im Bereich Transport, denn der Luftweg, der als relativ sicher gilt, ist gesperrt.

Die Pariser Fondation Louis Vuitton muss nach eigenen Angaben die Monets, Bonnards, Matisses, Gauguins, Cézannes im April nach Russland zurückgeben. Dann laufen die Versicherungsverträge aus, aber auch der sogenannte Unpfändbarkeits-Erlass (arrêté d’aliénation), der seit 1994 Kulturgüter ausländischer Staaten und ausländischer öffentlicher Sammlungen vor Beschlagnahmungen und Zwangsversteigerung schützt.

Können die Werke beschlagnahmt werden, fragen sich nun viele. Rein theoretisch ja. Doch kann der Schutzmechanismus verlängert werden. Vorausgesetzt, die Dauer der Leihgabe werde auch verlängert, erklärte Antoine de Baecque, Jurist und Kunstmarkt-Experte, in der Tageszeitung Le Figaro.

Russische Oligarchen ziehen sich zurück

Eindeutiger ist der Sachverhalt bei Werken aus Privatbesitz, bei denen der Unpfändbarkeitserlass nicht greift. Zu diesen Bildern gehört zum Beispiel das Selbstporträt des Malers Pjotr Petrowitsch Kontschalowski (1876–1956). Es gehört dem Milliardär Pjotr Olegowitsch Awen, der auf der Sanktionsliste der EU steht.

Russische Sammler und Mäzene prägen seit Anfang 2000 die Kunstwelt. In den letzten Tagen traten mehrere aus Museumsgremien aus: Wladimir Potanin zog sich als Treuhänder aus dem Guggenheim-Museum zurück. Der Milliardär war ein bedeutender Unterstützer von Ausstellungen. Im Jahr 2016 schenkte er auch dem Pariser Centre Pompidou rund 250 Werke.

Als Treuhänder der Royal Academy of Arts in London trat auch Pjotr Olegowitsch Awen zurück. Im Jahr 2017 unterstützte er finanziell die Ausstellung „Revolution: Russian Art (1917–1932)“. Als Mäzen wirkte er auch bei der aktuellen Ausstellung „Francis Bacon: Man and Beast“ mit. Awen steht ebenfalls auf der Sanktionsliste. Die Institution will ihm nun die Spende zurückgeben.