Berlin hat laut amtlicher Website 12 Vermessungsbehörden. Die Künstlerin Larissa Fassler und ihr Kollege Benedikt Terwiel begaben sich in dieses Reich der Stadt-Kartografie. Beide erstellten urbane Landschaftsbilder. Sie reduzieren die Kartografie jedoch nicht auf ein bildgebendes wissenschaftlich-technisches Verfahren, sondern heben die akribische Disziplin in die Sphäre der Bildkunst, aufgeladen mit Poesie.

Auf diese Weise lässt uns die in Berlin lebende Kanadierin Larissa Fassler öffentliche Räume und Knotenpunkte Berlins, wie etwa das Kottbusser Tor und den Moritzplatz aus anderer Perspektive sehen. Auf den ersten Blick denkt man vor ihren farbigen Kartierungen an konventionelle Architektur-Vorlagen. Gerade diese Beispiele eines an menschlichen Bedürfnissen völlig vorbeigeplanten, brutalistisch- pragmatisch gebauten Stadtraumes stellen unbequeme Fragen nach Ordnungs-, Verteilungs- und Machtverhältnissen und nach dem Alltag, den Vorstellungen, ja, Träumen der dort wohnenden, arbeitenden Leute, die mit dem Stigma „sozialer Brennpunkt“ leben müssen.

VG Bild-Kunst, Bonn 2021/Benedikt Terwiel
Benedikt Terwiel: „Südgelände Schöneberg“

Der gebürtige Münchner Benedikt Terwiel machte im Pandemiejahr 2021 Lithografie-Steine mit historischen Motiven der Gegend um die Invalidenstraße ausfindig, fertigte davon Gipsabdrücke an. Datiert sind die Vorlagen auf das Jahr 1937, als Albert Speer von den Nazis zum „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ berufen wird. In den kommenden 20 Jahren sollte Berlin zur Welthauptstadt Germania ausgebaut werden. Terwiel erstellte mit Material des Landesvermessungsamts eine Serie computeranimierter Landschaftsbilder auch vom Südgelände Schöneberg. Die lassen an dystopische Science-Fiction-Filme denken.

Kommunale Galerie Rathaus Johannisthal, Di.–Fr. 12–17/Sa. 15–19 Uhr. Bis 16. Januar