Rom - Manche seiner Gemälde schockieren mit ihrer zur Schau gestellten Gewalt, andere bezaubern mit ihrer Anmut. Gemeinsam ist allen eine außergewöhnlich realistische Darstellung des menschlichen Körpers und ein unvergleichliches Spiel mit Licht und Schatten. Die Rede ist von Caravaggio, einem Begründer der römischen Barockmalerei, der die Kunst seiner Zeit revolutionierte und Generationen von Malern beeinflusste. Vor 450 Jahren wurde er geboren.

Das Licht der Welt erblickte Michelangelo Merisi am 28. (nach anderen Angaben am 29.) September 1571 in Mailand. Nach dem Herkunftsort seiner Eltern in der Lombardei nannte man ihn Caravaggio, und unter diesem Namen wurde er weltberühmt. In Mailand lernte er das Malerhandwerk. Mit 21 zog er nach Rom, wo er Auftraggeber und Förderer fand, seinen typischen Stil entwickelte, die meisten seiner Schaffensjahre verbrachte und wo sich auch heute noch die meisten seiner Werke befinden.

Seine Gemälde spiegeln die Gewalt Roms wider

„Caravaggio führt in die sakrale Kunst einen Realismus ein, der deren Kanon erschüttert“, schreibt der römische Publizist Corrado Augias in seinem Buch „Die Geheimnisse Roms“. Kennzeichnend für Caravaggios Stil sind auch das „Chiaroscuro“, die Hell-Dunkel-Malerei, und die Verschmelzung von Profanem und Sakralem. Von Caravaggio heißt es, dass ihm Prostituierte für biblische Frauengestalten Modell standen. Straßenkriminalität und öffentliche Hinrichtungen wiederum mögen ihn bei seinen blutigen Gewaltdarstellungen inspiriert haben, glaubt Augias: „Er malt, was er erlebt und sieht, seine Gemälde spiegeln die Gewalt Roms wider.“

Viel ist von frühen Biografen über den gewaltbereiten und lüsternen Charakter des Malers geschrieben worden, das meiste davon gilt heute als übertrieben. Tatsache ist, dass Caravaggio 1606 in einen Totschlag verwickelt war, aus Rom verbannt und für vogelfrei erklärt wurde. Caravaggio zog südwärts ins damals spanische Königreich Neapel und später nach Malta, wo er abermals in einen Streit geriet. Er landet im Gefängnis, bricht aus und flieht nach Sizilien. Aus dem Malteserorden wird er ausgeschlossen. Auf eine Begnadigung aus Rom hoffend, reist er nach Norden, landet in Porto Ercole an der toskanischen Küste nördlich von Rom. Dort stirbt er am 18. Juli 1610 im Alter von nur 38 Jahren. Die Todesursache ist unbekannt.

Vorwurf Kinderpornografie

Schon hundert Jahre nach seinem Tod war Caravaggio vergessen und wurde erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Sein Einfluss auf andere Künstler war aber groß, von Rembrandt und Peter Paul Rubens bis Jan Vermeer, Diego Velázquez oder Francisco de Zurbarán.

Auch heute noch bewegt der italienische Künstler die Gemüter. 2014 forderten in Berlin die Autoren eines offenen Briefes im Zuge der Diskussion um Pädophilie und Kinderpornografie, den nackten Amor von der Wand zu nehmen. Die Gemäldegalerie entschied im Sinne der Kunstfreiheit, und der kleine Gott der großen Liebe blieb hängen.