Mittags zeigte das Thermometer 34 Grad. Tag der Sommersonnenwende. Vorm Martin-Gropius-Bau stehen viele Leute, Einlass für die grandiose Polka-Punkte-Schau der Japanerin Yayoi Kusama. Und gleich wird es künstlerisch noch viel asiatischer im Ausstellungshaus der Berliner Festspiele. Die Säle um den Lichthof bespielt der Pflanzen-Zeichner und sanfte Öko-Aktivist Zheng Bo aus Hongkong. Säleweise dürfen, ja sollen wir Platz nehmen auf den Sitzkissen vor niedrigen Tischen. Unter den Glasplatten zarte Bleistift-Zeichnungen von Bäumen, Gräsern, Blättern, Blüten. Schön, poetisch, manchmal fast surreal dramatisch, aber nie pathetisch. Und weniger botanikertypisch akribisch als die Pflanzenbilder Chamissos oder Alexander von Humboldts.

Wer davorsitzt, gerät ins Meditieren. Leider wohl nicht so kontemplativ wie Zheng Bo, der jeden Tag Zeit mit Pflanzen verbringt, um sie zu zeichnen, ihnen zuzuhören und von der Natur zu lernen. Meditation will geübt sein in unserem Großstadtleben. Hauptsächlich in Berlin, während seiner Stipendiatenzeit 2020, sind seine 365 Bleistiftzeichnungen entstanden. Jeden Tag eine. Wir sehen Pflanzen aus dem subtropischen Raum an der Südküste Chinas, da, wo der Perlfluss ins Meer mündet. Und Gewächse, die einem bekannt vorkommen, da sie in hiesigen Wäldern, Parks und Gärten wachsen. Auch einen Videofilm, im uralten Buchenwald nahe dem brandenburgischen Grumsin gedreht, der zum Unesco-Weltnaturerbe gehört. Manche Buchen haben Stämme wie antike Säulen. Und immer wieder Farne. Die Urpflanze aus dem Karbon vor etwa 360 Millionen Jahren.

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