Berlin - Selbst bei aufwendigen Bauprojekten werden, wenn überhaupt, nur die Architekten als Schöpfer genannt, die Bauingenieure dagegen fast nie, ganz zu schweigen von all den anderen „Tüftlern“ etwa aus der Klima-, Ver- und Entsorgungs- oder Umwelttechnik. Einer der wenigen, denen es wenigstens ab und zu gelang, diese Schallmauer der kulturellen Ignoranz zu durchbrechen, war Jörg Schlaich, der bereits am 4. September im Alter von 86 Jahren in Berlin gestorben ist.

Seit den 1980er-Jahren galt er weltweit als einer der führenden Konstrukteure, der früh schon forderte: Lasst uns anders bauen, sparsamer, klüger, umweltgerechter. Geboren wurde er 1934 in Stetten im Remstal, war und betrachtete sich als Schwabe, studierte erst in Stuttgart, dann an der nach dem Zweiten Weltkrieg begründeten Technischen Universität in West-Berlin. 1959 ging der seiner ruhigen Zurückhaltung und Bodenständigkeit, aber auch herrlich spitzer Aperçus wegen später legendäre Ingenieur nach Amerika, an das Case Institute of Technology in Cleveland. Von 1963 an arbeitete Schlaich dann in dem unter Ingenieuren hoch gerühmten Büro Leonhardt und Andrä in Stuttgart. Es entwarf 1959 mit dem Stuttgarter Fernsehturm das in seiner Eleganz nie übertroffene Muster all jener schlanken Funkmasten, die gekrönt werden von einem Restaurantkörper. Nach dem Welterfolg der luftig konstruierten Dächer des Münchner Olympiastadions von 1972, an dem er mitarbeitete, kam 1979 die Gründung des eigenen Büros zusammen mit Rudolf Bergermann. Schon 1980 eröffneten sie Filialen in Berlin und New York. Schlaich Bergemann und Partner blieb eines der wenigen deutschen Bau-Entwurfs-Büros, die über ihre Heimatregion hinaus wachsen wollten.

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