Fünf Hochbeete mit darin wachsenden, sprießenden, grünenden Birken, Eschen und allerhand Strauchwerk markieren den Zugang zum Ort des Geschehens: Die Kunst-Werke in der Auguststraße sind wieder das – begrünte – Herzzentrum der am 4. Juni startenden, nunmehr neunten Berlin Biennale.

In knappen Pausen zwischen hektischen Terminen verbringt Gabriele Horn hier gern die eine oder andere Zigarettenlänge und erfreut sich an den ersten Blüten der Himbeersträucher. Das Grün ist der erste sichtbare Biennale-Beitrag des Ateliers „le balto“, Landschaftsarchitekten, die schon bei Biennalen zuvor den Hof mit Bambus und Hopfen bepflanzt hatten.

Sechs Berlin Biennalen hat die 57-Jährige als Leiterin der Kunst-Werke und zugleich Verantwortliche der Großausstellung geleitet. Erstmals nun gibt es Arbeitsteilung, ergo Erleichterung. Das KW-Institut leitet ab jetzt der Niederländer Krist Gruijthuijsen. Sie kümmert sich ganz um die Biennale, die Belange der Künstler und der vier Kuratoren aus New York: Lauren Boyle, Solomon Chase, Marco Roso und David Toro, ein schwules Paar und ein verheiratetes Paar mit zwei Kindern.

Bald eine Millionen Euro für Kunst-Werke

Gabriele Horn spricht auch von Erleichterung, was die finanzielle Absicherung des Projekts betrifft. 1998 aus dem Haus der Kunst-Werke gegründet, gab es erst ab der vierten Biennale Planungssicherheit und Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes, damit endlich feste Mitarbeiter.

Letztes Jahr gelang es, das Abgeordnetenhaus zu überzeugen, die Kunst-Werke besser auszustatten. Statt wie bisher etwas über 500.000 Euro gibt es ab 2017 gut eine Million Euro für den Haushalt des Instituts, natürlich bei intensiven Synergien mit der Biennale im Frühsommer aller zwei Jahre. Ohnehin gehen die ästhetischen wie politischen Signale für die Berlin Biennale von den Kunst-Werken aus. Und die untrennbare Verknüpfung gerade beim Bildungsauftrag, in der Debatte über Kunst heute hat auch die Berliner Politik begriffen.

„Inzwischen“, so Gabriele Horn, „sind sowohl die Kunst-Werke wie die Biennale gewachsen und anerkannt. Die zeitgenössische Kunst hat heute in der Stadt einen besseren Stellenwert, ein großes Publikum und die Künstler sind durchweg international aufgestellt. Zugleich sind natürlich auch die Niveau-Anforderungen und Erwartungen gewachsen.“

„Biennalisierung des Kunstbetriebs“

Noch vor zehn Jahren gab es viele Zweifel an der Berlin Biennale, ob man die überhaupt brauche. Ohnehin wurde damals gegen die weltweite „Biennalisierung des Kunstbetriebs“ gewettert. Trotzdem hat sich indessen fast jede Metropole auf den Kontinenten eine solche Großschau der Gegenwartskunst angeschafft, stellte diese ins Ranking berühmter Namen, vergibt Preise – und das scheint den überhitzten Kunstmarkt noch mehr anzuheizen. Die Berlin Biennale aber, so der Eindruck, schert sich wenig um diesen überdrehten Wettkampf , scheint irgendwie immuner, ist unangepasster, politischer, sperriger.

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