Das sind wir in Berlin gewohnt. Die Politik macht es tagtäglich vor: Alles, was schief geht, wird in neuen Aufbruch umgelobt. Seit Herbst 2011 gibt es das doch immer als erfolgreich gerühmte Art Forum, die Berliner Messe für internationale junge Kunst, nicht mehr.

Die geplante Zusammenlegung der 1996 gegründeten Kunstmesse mit der privat organisierten Konkurrenzverkaufsschau „art berlin contemporary“ (abc) war gründlich gescheitert. Ein Jahr vor der großen Flughafen-Blamage kam es schon hier zum Flop.

Die abc machte ihre Sache, flankiert von zwei ebenfalls privaten Nebenmessen – Preview und Liste – gut alleine. Und wollte das wohl auch so, denn hinter ihr stehen immerhin nicht die darbenden, sondern die potenzstarken Galeristen der Stadt. Galerien also mit schon international anerkannten Bildkünstlern und keinesfalls mit jenen rund 5000 – von gefühlten 20.000 –, die zwar maßgeblich zum Image Berlins als Kunststadt beitragen, aber hier so gut wie nichts verkaufen.

Hostel-Zimmer statt Mini-Ateliers

Zu allem Unglück verlieren sie bald auch noch ihre Ateliers in der Innenstadt: In der Rosenthaler Straße etwa sollen aus den senatsgeförderten Mini-Ateliers einträgliche Hostel-Zimmer werden und aus den 16 Ateliers am Charlottenburger Ufer Lofts. An der Landsberger Allee verdrängen Luxus-Appartements Werkstätten und Projekträume.

Im Wedding wurde ein ganzes Atelierhaus privatisiert, aus dem Atelierhaus Klausnerplatz macht die Wohnungsgesellschaft Gewobag lieber schicke Lofts für Zahlkräftige. 700 Atelierverluste seit acht Jahren beklagt der Senats-Atelierbeauftragte. So viel zur Situation.

Mit der Kunstmessen-Gemengelage hat das freilich nur am Rande zu tun. Die im Dunklen sieht man bekanntlich nicht. Seit Jahren schon hatten ehrgeizige Berliner Galeristen mit dem Art Forum auf Kriegsfuß gestanden: Zu wenig Glamour, zu geringer ökonomischer Gewinn. Seither, so schien es, wankte allerdings der Kunststandort Berlin – und so trat die Landeskulturpolitik auf den Plan, schickt nun die landeseigene Kulturprojekte GmbH mit ins Rennen – und schließt kurzerhand staatliche wie städtische Museen und Kunstinstitutionen an.

Allianz der Hoffnung

Moralische Verstärkung? Zumindest eine Allianz der Hoffnung, die vor aller Welt, vor den Sammlern und der Kunstkarawane so etwas wie Gemeinsamkeit demonstrieren kann. Ab Dienstag also beginnen die Eröffnungen, quasi Vorspiele in gut hundert aufs Ereignis aufspringenden Berliner Galerien. Das ist gut! Dann folgen die Messen. So klebt sich die notorisch-egomanisch verzankte Berliner Kunstwirtschaft ein neues Etikett auf. Demonstration von Einigkeit und Stärke. Der Ruf als Kunststadt steht auf dem Spiel.

Und dass, so die neueste Nachricht dieser Tage, die achtbare Profifrau Maike Cruse dann ab 2013 die abc als Chefin leiten wird, klingt tatsächlich nach einer richtig guten Chance. Cruse arbeitete bis 2008 für die Berliner Kunst-Werke, dann für Art Basel und Art Basel Miami Beach. Sie bringt Professionalität mit, die aus der verkorksten Berliner Situation ganz erlösen könnte.