Eine Künstlerin informiert, dass sie am Tag des offenen Denkmals eine Performance in der Zitadelle Spandau vorführe. Geht man gucken? Das Berliner Programm zum Tag des offenen Denkmals am 9. September umfasst 97 Seiten, und zeitgleich ist das Literaturfestival, das Lollapalooza Festival, die Urban Art Week und alles, was sowieso auf dem Programm steht. „Wo soll ich mich hinkehren, ich tumbes Brüderlein?“, seufzt das Volkslied (dessen Festival zum Glück schon im Mai in Celle stattfand). Vermutlich wird der gewiss sorgfältig vorbereitete und vollendet ausgeformte Spandauer Teil eines Ganzen medial schlicht ignoriert werden. Wieder mal. Die Eventkultur füttert und frisst ihre Kinder.

„Ideenkongress zu Kultur, Alltag und Politik auf dem Land“

Anderswo indessen herrscht kulturelle Dürre. Nicht nur keine Events, sondern auch keine kulturellen Bodendecker wie Theater, Kino oder Museen, oft nicht einmal ein Bücherbus. Dass da etwas geschehen muss, haben sich die meisten Parteien ins kulturpolitische Programm geschrieben, die Kulturstiftung des Bundes (KSB) ist mit ihrem „Trafo“-Projekt im Oderbruch oder auf der Schwäbischen Alb längst in der Spur, und der Kulturrat mahnte gerade wieder kulturelle „Daseinsfürsorge“ speziell im Osten an. 

Würde, wenn der Boden bereitet ist, Umverteilung helfen? Ließe sich aus dem Berliner Kunstüberfluss Saatgut für das Land gewinnen oder braucht es eigene Züchtungen? Gibt es eine Rezeptionsschere zwischen Spandau und Zschopau oder ist die Annahme einer solchen nur Dünkel? In zwei Wochen denken Soziologen und Künstler bei einem „Ideenkongress zu Kultur, Alltag und Politik auf dem Land“ bei der KSB in Halle möglicherweise auch darüber nach. Die Not der Künstler mit den Medien allerdings wird zukünftige Landaktivität eher noch verschärfen. Vor Ort ist ja niemand mehr, der berichten könnte. Und um sich aus der Stadt in Bewegung zu setzen, braucht man mindestens – ein Event.