Berlin - Seitdem europäische und nordamerikanische Museen im 19. Jahrhundert begründet wurden, ist die Kritik an ihnen nicht verstummt. Sie gelten als Instrumente großstädtischer Eliten, die den realen Fluss der Geschichte unterbrechen, rational und kalt die Objekte systematisieren und präsentieren, ohne Rücksicht auf Spiritualität und Emotionen. Immer wieder hat es deswegen intellektuelle und physische Attacken gegen Museen gegeben. Darin sind sich die Gegner der großen Museums- und Bibliotheksgründungen im frühen 19. Jahrhundert mit den aktuellen Debatten um die postkoloniale Reinigung der Sammlungen oft überraschend nahe. Immer schwingt das Feindbild von wissenschaftlicher Rationalität in der Kritik an den Museen und Bibliotheken mit.

Ob auch der Vandalismus auf der Museumsinsel zu solchen Attacken zu zählen ist, wird derzeit noch untersucht. Sicher ist jedenfalls, dass er nicht in zwei klassische Traditionen der Kulturzerstörung passt: Individuelle Zerstörungsnot, wenn etwa Gemälde von Rubens oder Francis Bacon ob ihrer üppigen Formen und nach außen drängenden Fleischlichkeit angegriffen werden. Und auch nicht jener Egoismus wie die Tat des Herostratos, der 356 v. Christus den als eines der Weltwunder geltenden Artemis-Tempel in Ephesos in Brand streckte, um den eigenen Namen unsterblich zu machen.

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