Kurt Krömer: Unterhaltungs- und Unterlaufungskünstler
Foto:  dpa/Henning Kaiser

BerlinGrinsend hält Kurt Krömer den Grimme-Preis in den Händen. Es ist sein zweiter. Und noch immer wartet man auf sein vogelzeigendes Losprusten: Euer Ernst? In seinen Anfangs-TV-Jahren ab 2005 bekam er diverse Preise quasi jährlich hinterhergeworfen, zum großen Verdruss so manchen Kulturtürhüters. Viele innere Kämpfe mussten ausgefochten, viele Verrenkungen angestellt werden, um die Begabung Krömers zu fassen. Aber gab es überhaupt was zu fassen? Irrte das Publikum? Oder irrten die für das Unterressort Unterhaltungskritik bevollmächtigten Redakteure?

Wir erinnern an die Ratlosigkeit, die dem Bühnenkünstler zu Beginn seiner Karriere entgegengebracht wurde, weil sie mit Selbstzweifeln einhergehen und beispielhaft für viele Zuschauer sein dürfte. Dieser Krömer: Ist das jetzt einfach nur ein eindimensionaler Bühnenstrunz oder ein vielbödiger Meta-Ironiker?

Kurt Krömer, bürgerlich Alexander Bojcan, 1974 in Neukölln geboren, trat seit 1993 unter dem Pseudonym zunächst auf kleinen Bühnen auf, unter anderem mit dem Programm „Na, du alte Kackbratze“. Ein Titel, der die damals in der Berliner Zeitung zuständige Fachredakteurin von einem Besuch abhielt − was erst Beschwerden von Krömers Seite, dann Hass und schließlich innige Freundschaft zwischen den beiden nach sich zog. Wir erinnern uns gern und schweigen über die Details.

2003 wurde Krömer dann für das Fernsehen entdeckt und bekam im RBB eine Sendung. Auch wenn er Genre (Schaubühne) und Kanal (ARD-Nachtprogramm) wechselte, inzwischen auch Vater dreier Kinder geworden ist, tut er, was er tut: er labert, nervt, verschleppt Pointen, lässt seine Gäste auflaufen, setzt sein sonniges Böse-Buben-Lächeln auf oder verdreht die Augen. Und das Publikum zeigt sich lachend einverstanden. Man sucht in diesen Augen hinter der Hornbrille nach einem Zugang zur Person hinter der Figur Krömer, aber der Blick perlt ab.

Veralbern ist kein schönes, aber ein zutreffendes Wort für die virtuose Kulturtechnik Krömers. Veralbern nicht im Sinne der herkömmlichen Unterhaltungsindustrie, sondern als hohe Kunst, die durch die Koautorenschaft des Publikums (Theaterwissenschaft, 1. Semester) immer auch sich selbst reflektiert: Was tun wir, wenn wir über Krömer lachen? Und: Was bleibt uns anderes übrig, als zu lachen in einer Welt, in der man über Krömer lacht? Es ist ein immer wieder umkippendes Befreiungs- und Verzweiflungslachen. Ratlos. Schaurig. Preiswürdig.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir geschrieben, dass Kurt Krömer bereits zum sechsten Mal den Grimme-Preis erhalten hat. Richtig ist jedoch, dass es sein zweiter ist. Fünf Mal war er zudem für den Preis nominiert, erhielt ihn aber nicht. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.