Berlin - Mal richtig ausgiebig die Milchstraße betrachten – das ist in Berlin äußerst schwierig. Der Himmel über der Stadt ist zwar schön, aber es ist nachts einfach zu hell, um Gestirne, Planeten und Galaxien gut beobachten zu können. Auch die Lichtverschmutzung macht Berliner Hobby-Astronomen zu schaffen. Noch so gute Teleskope kommen gegen starkes Laternenlicht, buntes Reklameflackern und auch nachts hell erleuchtete Bürohäuser kaum an. Berlin ist kein guter Ort, um den Himmel zu beobachten. Eigentlich. Es gibt nämlich doch ein paar dunkle Ecken, die Berliner Sterngucker glücklich machen, weil sie ihnen einen guten Blick ins weite Firmament erlauben.

Einer dieser dunklen Orte ist am Sonnabend der Park am Gleisdreieck. Dort wird bis Mitternacht die 6. Lange Nacht der Astronomie gefeiert. Die Veranstaltung zieht Hobby-Astronomen aus der ganzen Stadt an. Die Stiftung Planetarium Berlin kuratiert das Programm. Moderne Linsen- und Spiegelteleskope und historische Instrumente, wie ein Fernrohr von Merz aus dem Jahr 1880 können von den Besuchern genutzt werden. Nach Einbruch der Dunkelheit fangen die Sternbildführungen an. Adler, Schwan und Leier sind die Sternbilder des Sommers. Mit etwas Glück und bei klarem Himmel regnet es sogar Sternschnuppen, denn im August sorgt der Meteorstrom der Perseiden für Sternschnuppennächte. Viele Vereine sind mit Infoständen vertreten – die Funk-Amateure, der Sternenpark Westhavelland, die Wilhelm-Foerster-Sternwarte.

Die Liebe der Berliner zu ihrem Himmel ist groß

Die Lange Nacht der Astronomie geht auf die alte und ungebrochene Liebe der Berliner zu ihrem Himmel und seinen vielen unsichtbaren Geheimnissen zurück. Ab 1900 wurde Straßenastronomie immer populärer. Auf öffentlichen Plätzen konnten Berliner durch Fernrohre „für’n Jroschn den Mond“ sehen. In Vereinen schlossen sich leidenschaftliche Amateur-Astronomen zusammen.

Die 1896 eröffnete Archenhold-Sternwarte im Treptower Park zählt zu den ältesten ihrer Art in Deutschland. Das Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee wurde als letzter repräsentativer Großbau der DDR zur 750-Jahr-Feier 1987 eröffnet. Durch den Start von Sputnik 1 (1957) wuchs das Interesse an Astronomie und Raumfahrt. In der DDR gab es ab 1959 Astronomie als Unterrichtsfach.

Teleskope auf Balkonen

Heute gibt es viele Amateure, die vom Balkon aus den Himmel beobachten. Eine partielle Sonnenfinsternis – wie zuletzt 2015 – wird in der Stadt gefeiert wie ein Großereignis. Viele Berliner kamen damals mit Ferngläsern und Teleskopen auf die Straßen und jubelten, als sich der Mond vor die Sonne schob.

Warum ist der Mars eigentlich rot? Woraus bestehen die Ringe am Saturn? Nehmen Sie Ihre Kinder oder Enkel einfach mit zur Langen Nacht der Astronomie. Der Weltall-Forscher-Club der Stiftung Planetarium stellt sich mit seiner Astro-AG vor und beantwortet Fragen. Die Sternenfreunde aus dem FEZ sind auch vor Ort. In der Ladestraße auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs zeigt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Ausstellung „50 Jahre Mondlandung“.

Die besten Orte, um gut in den Himmel zu schauen

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