BerlinEs ist eine Kulturnachricht aus den Routinen einer vorübergehend untergegangenen Welt: Die Salzburger Festspiele melden, dass Lars Eidinger den Jedermann auf dem Domplatz spielen wird. Die Premiere im 101. Jahr der Festspiele ist für den 17. Juli geplant, es folgen 13 weitere Vorstellungen, die bei schlechtem Wetter im Festspielhaus stattfinden sollen.

Was man unter normalen Umständen nickend zur Kenntnis nehmen würde, erfüllt einen mitten im Kulturwinter der Pandemie mit dem Schauer der Vorfreude. Zwar wird wohl die Berlinale im Februar ins Wasser fallen (oder in die Digitalität abwandern) und keiner kann sich vorstellen, ob diese Theatersaison überhaupt noch einmal in Gang kommt. Diesem Setting aber, das im Sommer 2021 stattfinden soll, würde vielleicht sogar Christian Drosten gute Chancen auf Verwirklichung einräumen. Es wird wieder Frühling werden, es wird wieder Theater geben, man wird wieder reisen dürfen. Nicht alles, aber ein bisschen was wird wie immer sein. Ist das nicht tröstlich?

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Verena Altenberger spielt die Buhlschaft.

Neben Lars Eidinger, der dem langjährig amtierenden Jedermann-Spieler Tobias Moretti folgt, sind die Schaubühnen-Legenden Edith Clever als Tod und Angela Winkler als Mutter zu erleben. Die Buhlschaft, in den letzten beiden Sommern von der Berliner-Ensemble-Spielerin Stefanie Reinsperger verkörpert, geht nun an Verena Altenberger über. Vom Deutschen Theater ist Kathleen Morgeneyer mit von der Partie, sie spielt den Glaube.

Außer Lars Eidinger waren Philipp Hochmair, der schon für Moretti eingesprungen war, und der Iffland-Ring-Träger Jens Harzer für diese prestigeträchtige Rolle im Gespräch. Es gibt unter den Rampensäuen im deutschsprachigen Theater kaum eine beliebtere Auftrittsmöglichkeit. Zugleich sind die Erwartungen dieses speziellen Publikums in Salzburg recht eingefahren. Es wird also viel Reibungsfläche für den erprobten Ego-Shooter und Publikumsanspieler Eidinger geben, der bei seiner letzten Theaterherausforderung, seinem Peer-Gynt-Solo an der Schaubühne, schon hart an der erträglichen Scheppergrenze operierte.